Bamberg

St. Heinrich

Anschrift Kirche
Eckbertstraße 30
96052 Bamberg
  • Informationen
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    Anschrift Pfarramt Pfarramt St. Heinrich
    Eckbertstraße 30
    96052 Bamberg
    0951 5195990
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    Öffnungszeiten Pfarramt MO - FR: 8.45 - 11.45 Uhr
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    Während der Sommerferien:
    MO - FR: 8.45 - 11.45 Uhr

    Gottesdienstzeiten Kirche Die Gottesdienstzeiten können online abgerufen werden unter: st-heinrich-bamberg.de/gottesdienste/gottesdienstzeiten
    Kirchen im Süden

Zurück ins Mittelalter?

Keine breite lange Straße führt auf sie zu, sie liegt auf keiner Anhöhe und überragt ihre Umgebung nicht schon von Weitem. Erst im letzten Moment, wenn man unmittelbar auf dem kleinen Platz vor ihrer Westfassade steht, kommt ihre volle Wucht zur Geltung: Die Kaiser Heinrich II. geweihte Pfarrkirche im Osten der Bischofsstadt Bamberg erinnert an die Burgen des Mittelalters, wirkt wie ein Fremdkörper aus einer anderen Zeit inmitten der ansonsten verputzten modernen Wohnhäuser. Betritt man diese Gottesburg aber, zeigt sie sich ganz anders, als man es erwarten würde. Sie will den Besucher nicht zurück ins Mittelalter, sondern mit den Mitteln moderner Baukunst hinauf ins Überzeitliche führen.

  • Überblick
    Ort
    Bamberg

    Bistum
    Erzbistum Bamberg

    Name der Kirche
    St. Heinrich

    Weihe
    1929 (8. September)

    Architekt
    Michael Kurz

    Künstler
    Karl Baur, Alfred Heller, Franz Müller, Wilhelm Pütz, Luis Rauschhuber
    Besonderheit
    Die Kirche zeigt nach außen trutzig-romanisierende Bruchsteinmauern, nach innen jedoch durch Eisenbeton-Spitzbögen eine expressionistische Verbeugung vor der Gotik.

    Nutzung
    Pfarrkirche

    Standort / Städtebau
    Der Kirchenbau, der die umliegenden Häuser nur wenig überragt, liegt inmitten eines planmäßig ab der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert angelegten Stadtviertels. Umschlossen wird St. Heinrich von der Kloster-Banz-Straße (und einem kleinen Vorplatz) im Westen, der Eckberstraße im Süden, der Adam-Senger-Straße im Osten und der Eberhardtstraße im Norden.

  • Beschreibung

    Grundriss

    Bamberg | St. Heinrich | Grundriss

    Bamberg | St. Heinrich | Grundriss

    Das Kirchenschiff bildet ein langgestrecktes Rechteck, an dessen Westseite sich zwei über Eck gestellte Türme mit zwei dazwischenliegenden Portalen befinden, die durch einen Dreieckssporn voneinander getrennt werden. Im Osten findet sich als Altarhaus ein Rundbau, um den herum sich die Sakristeiräume anschließen. Durch die das Gewölbe tragenden Eisenbetonpfeiler mit dazwischenliegenden Fenstern entstehen im Innern je zehn Wandnischen, aus welchen durch das Einziehen von Seitenemporen Kapellen für Beichtstühle und den Kreuzweg entstehen. In der Mitte des Schiffs kann die Kirche durch zwei sich gegenüberliegende Seitenportale betreten werden.

    Außenbau

    Bamberg | St. Heinrich | Außenbau | Foto: Daniel Greb

    Bamberg | St. Heinrich | Foto: Daniel Greb

    Durch seine archaische Monumentalität beeindruckt der Außenbau der Heinrichskirche. Diese Wirkung erreichte der Architekt Michael Kurz vor allem durch das vorgeblendete Mauerwerk aus heimischen Kalkbruchsteinen. Wie bei den schmalen Fenstern des Schiffs wurde es teils mit Ziegeln durchsetzt, um einen wehrhaften Eindruck zu erzielen. Vor allem die gedrungene Westfassade mit ihren über Eck gestellten, nur 35 Meter hohen Türmen erinnert an mittelalterliche Vorbilder wie das Münster in Ingolstadt. Zwischen den Türmen befinden sich die beiden spitzbogigen Hauptportale, die mittelalterlichen Stufenportalen nachempfunden sind, getrennt von einem die ganze Fassade senkrecht durchziehenden Dreieckssporn. Das oberste Geschoss des Südturmes ließ der Architekt in Backstein ausführen und auch die Fensterformen der Türme unterscheiden sich voneinander. So entsteht ganz im Sinn des Heimatstils der Eindruck eines über die Jahrhunderte gewachsenen Baus. Derart ist auch der runde Zentralbau im Osten der Kirche zu verstehen, der an frühchristliche Vorbilder erinnert und das Kirchenschiff um einige Meter überragt. Im Sinn des christozentrischen Gedankens markiert er als wichtigster Gebäudeteil die Stellung des Altars schon am Außenbau.

    Innenraum

    Bamberg | St. Heinrich | Innenraum | Foto: Daniel Greb

    Bamberg | St. Heinrich | Foto: Daniel Greb

    Im Innern der Kirche ist man zunächst vom Wechsel des Materials überrascht: Nicht mehr Steinmauerwerk, sondern Sichtbeton bestimmt den Raum. Spitzbogige Eisenbetonträger stützen als Gewölbe eine den Bogen vollendende Holzkonstruktion in sogenannter Zollingerbauweise, die an gotische Kreuzrippengewölbe erinnert. Sie wirkt durch ihren Braunton als warmer Kontrast zum grauen Beton. (Eine ähnliche Konstruktion wählte Kurz für St. Anton in Augsburg.) In Bamberg werden die Betonträger auf einem Drittel der Höhe von Seitenemporen durchzogen, die darunter kleine Kapellen entstehen lassen. Den Übergang vom Kirchenschiff zur Altarrotunde bilden sich verjüngende Spitzbögen. Dahinter öffnet sich das Rund des Zentralbaus, das nun durch runde Blendbögen an den Fensterachsen gegliedert wird. Im Westen ruht die Empore auf fünf Arkaden. So entsteht eine Art Vorhalle, durch die man von den Hauptportalen in die Kirche gelangt. Zwischen den Türmen, deren Untergeschosse Kapellen bergen, befindet sich in einer Art Westapsis die Taufkapelle.

  • Liturgie und Raum
    Bamberg | St. Heinrich | Altarraum | Foto: Daniel Greb

    Bamberg | St. Heinrich | Foto: Daniel Greb

    Der Architekt setzte im Innenraum formvollendet die Ideen der Programmschrift “Christozentrische Kirchenkunst” von Johannes van Acken um: Der Blick wird durch die – sich zur Öffnung der Altarrotunde hin verjüngenden – Bögen ebenso wie durch die Seitenemporen unweigerlich auf den Hochaltar mit dem monumentalen Kruzifix gelenkt. Es gibt keine störende Bauzier, keine Seitenschiffe, nur unscheinbare Nebenaltäre am Chorbogen. Private Frömmigkeit und Beichtmöglichkeiten rücken in die Seitenkapellen, so dass der ganze Innenraum vom (Hoch-)Altar her bestimmt und auf ihn hin ausgerichtet ist.

    Mit dieser Rauminszenierung sollte die feiernde Gemeinde näher an das Geheimnis des Messopfers herangeführt werden. So ergab sich gleichsam ein Weg des Gläubigen von der Welt außerhalb der Kirche über die niedrige Eingangshalle, das Gebet und die liturgischen Feiern im Kirchenschiff hin zur Ewigkeit, die durch das Rund des erhöhten Altarbereichs symbolisiert wird. Spätere Eingriffe im Gefolge des Zweiten Vatikanums unter Leitung des Würzburger Dombaumeisters Hans Schädel ließen diese ursprüngliche Ausrichtung nahezu unangetastet. Lediglich der Hochaltar wurde 1969 durch einen blockhaften Volksaltar ersetzt, den nun zwei Bankreihen für kleinere Gottesdienstformen umgeben. Die Kommunionschranken wurden entfernt und der Tabernakel auf den rechten Seitenaltar gesetzt. Ein Ambo dient seither der Wortverkündigung.

  • Ausstattung
    Bamberg | St. Heinrich | Altarraum | Foto: Daniel Greb

    Bamberg | St. Heinrich | Altarraum | Foto: Daniel Greb

    Den Höhepunkt der künstlerischen Ausstattung bildet im Altarraum das große Kreuz von Karl Baur (1935), an dem ein vier Meter hoher Korpus befestigt ist. Der Kuppelraum um den Altar zeigt Buntglasfenster von Franz Müller, die alttestamentliche Vorbilder des Opfers Jesu (z. B. Opfer des Abraham, Brandopfer vor der Bundeslade) sowie Motive der Passion Jesu (z. B. Dornenkrone, Lanze) thematisieren. In der Mitte des Kuppelraums steht der Volksaltar aus Muschelkalk. Der Kreuzweg (1948) in den Seitenkapellen des Kirchenschiffs, wo sich auch die Beichtstühle befinden, wurde nach Entwürfen von Wilhelm Pütz in Glasmosaik ausgeführt, von ihm stammen auch alle übrigen Mosaikkunstwerke.

    Bamberg | St. Heinrich | Taufkapelle | Foto: ermell, CC BY SA 4.0

    Bamberg | St. Heinrich | Taufkapelle | Foto: ermell, CC BY SA 4.0

    In den Turmuntergeschossen befinden sich eine Kriegergedächtniskapelle mit dem Auferstehungskruzifix (1965) und einer Madonna mit Kind (1967) von Luis Rauschhuber sowie die Kapelle zur schmerzhaften Muttergottes mit einer Pietà aus dem 15. Jahrhundert. Beide erhielten ein blaues (Auferstehung) beziehungsweise rotes (Dornenkrone) Buntglasfenster nach Entwürfen von Alfred Heller. Am letzten linken Pfeiler vor dem Altarraum findet sich die Kanzel, die mit Symbolen der vier Evangelisten sowie des Alten und Neuen Bundes aus Mosaik geschmückt ist. Die ursprünglichen Mosaikarbeiten an den Seitenaltären mit Darstellungen der Familie Mariens sowie der Heiligen Familie waren zwischenzeitlich verdeckt, konnten aber 2010 freigelegt werden. An den Eisenbetonträgern befinden sich auf Höhe der Seitenemporen Mosaikbilder verschiedener Glaubensboten. Dem Altar gegenüber im Westbau liegt eine ebenfalls runde Taufkapelle mit Mosaiken zum Thema Taufe.

  • Von der Idee zum Bau
    Bamberg | St. Heinrich | Außenbau | Foto: ermell, CC BY SA 4.0

    Bamberg | St. Heinrich | Foto: ermell, CC BY SA 4.0

    Im Osten der Bischofstadt Bamberg war jenseits der Bahnlinie seit der Jahrhundertwende ein neuer Stadtteil entstanden, der sich nach dem Ersten Weltkrieg weiter auszudehnen begann. Kirchlich gehörte dieser große Bezirk zur Pfarrei St. Gangolf, deren Pfarrkirche allerdings schwer erreichbar war und für die Bedürfnisse der großen Gemeinde bei Weitem nicht ausreichte. Die Auspfarrung des Bereichs um die neue Kirche St. Otto (Otho Orlando Kurz, 1912-14) konnte, ebenso wie die Notkirche in einer nahegelegenen Schule, nur bedingt Abhilfe schaffen. Schon 1914 konnte ein Kirchbauverein für Bamberg-Ost gegründet werden. Da die bis dato angesammelte Summe der Inflation zum Opfer gefallen war, mussten Kredite und Spenden zur Baufinanzierung aufgenommen werden. 1923 beauftragte man – ohne vorherigen Wettbewerb – den Augsburger Architekten Michael Kurz, der in Bayern bereits durch verschiedene Kirchen in Erscheinung getreten war. Nach mehreren Planänderungen konnte am 12. Juni 1927 der Grundstein gelegt werden und die Kirche am 8. September 1929 durch den kunstsinnigen Bamberger Erzbischof Jakobus von Hauck ihre Weihe erhalten.

  • Der Architekt Michael Kurz
    Bamberg | St. Heinrich | Außenbau | Foto: Daniel Greb

    Bamberg | St. Heinrich | Fassade | Foto: Daniel Greb

    Michael Kurz (1876-1957) war nach seiner Ausbildung in München als Bauzeichner bei renommierten Architekten des Historismus tätig: Georg von Hauberisser und Heinrich von Schmidt. 1907 gründete Kurz ein Architekturbüro in Göggingen bei Augsburg. Nach ersten eigenen Werken, die noch dem Historismus der Münchner Schule verpflichtet waren, zeigte er erstmals mit der Augsburger Herz-Jesu-Kirche (1910) eine eigene, reduziert traditionelle Formensprache mit Elementen des Heimat- sowie des Jugendstils. In den 1920er Jahren wandte sich Kurz neuen Baumaterialien (Eisenbeton) sowie moderneren Formen mit einem gewissen expressionistischen Einfluss zu, der gotische Stilelemente umdeutete. So erinnern St. Anton in Augsburg (1924-26) und St. Heinrich in Bamberg mit Mitteln moderner Bautechnik an mittelalterliche Kirchen und folgen zugleich den christozentrischen Vorstellungen Johannes van Ackens. Mit den 1930er Jahren plante Kurz dann vermehrt romanisierende Kirchen wie St. Maria in Starnberg (1930-33) oder St. Judas Thaddäus in Augsburg (1937). Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kurz vor allem mit dem Wiederaufbau zerstörter Kirchen beschäftigt, während seine wenigen eigenen Projekte allesamt in der Tradition der Vorkriegskirchen standen.

  • Literatur (Auswahl)
    • Ingeborg Bengel: 75 Jahre St. Heinrich Bamberg, Bamberg 2004.
    • Siegfried Grän: Pfarrkirche St. Heinrich Bamberg, München/Zürich 1976.
    • Viktor Krug: St. Heinrich zu Bamberg, München 1937.
    • Ulrike Laible: Bauen für die Kirche. Der Architekt Michael Kurz (1876-1957), Berlin 2003.
    • Ulrike Laible: St. Heinrich im Bamberg. Zur Entstehung und Bedeutung eines modernen Kirchenbaus von Michael Kurz in der Erzdiözese, in: Berichte des Historischen Vereins Bamberg 131, 1995, 387-413.
    • Peter Stuckenberger: Gottesburgen. Kirchenbau unter Erzbischof Jacobus von Hauck 1912-1943, Bamberg 2004.
    • Eugen Wetzel: 50 Jahre St. Heinrich, Bamberg 1979.

     

    Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt.

Text: Daniel Greb, Würzburg (Beitrag online seit 11/2016)