Dietenhofen

St. Bonifatius

Anschrift Kirche
Herrenstraße 15
90599 Dietenhofen
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche Bitte beim Pfarramt erfragen!
    Anschrift Pfarramt Heilsbronn, Unsere Liebe Frau, Katholisches Pfarramt
    Ansbacher Straße 13
    91560 Heilsbronn
    09872 1243
    Zur Webseite
    Gottesdienstzeiten Kirche Die Gottesdienstzeiten finden Sie online unter: heilsbronn.bistum-eichstaett.de/info/
    Kirchen im Süden

Batterieladestation

Dieser energetisch nach modernsten Standards konzipierte Glasbau ist eine katholische Kirche – der erste Neubau des Bistums Eichstätt nach rund 20 Jahren. Der Diözesanbaumeister Karljosef Schattner war für zeitgemäße Projekte bekannt. Sein Nachfolger Karl Frey knüpfte an diese Tradition an und rundete seine Amtszeit 2009 mit dem Entwurf für St. Bonifatius in Dietenhofen ab. Die Kirche punktet außen mit ihrer Schlichtheit, die weder eine Konkurrenz zur idyllisch-fränkischen Dorfarchitektur Dietenhofens sein will, noch hinter funktional-nüchterner Bauweise verschwindet. Ästhetische Wucht entfaltet der Raum jedoch erst im kraftvoll durchorganisierten und künstlerisch durchgestalteten Inneren.

  • Überblick
    Ort
    Dietenhofen

    Bistum
    Bistum Eichstätt

    Name der Kirche
    St. Bonifatius

    Weihe
    2009 (27. September)

    Architekten
    Karl Frey, Robert Fürsich, Richard Breitenhuber

    Künstler
    Rudolf Ackermann, Godi Hirschi, Lukas Hirschi
    Besonderheit
    St. Bonifatius gilt als der erste energetisch autark errichtete Kirchenraum Deutschlands.

    Nutzung
    Filialkirche der katholischen Kirchengemeinde Zur Lieben Frau, Heilsbronn

    Standort / Städtebau
    St. Bonifatius wurde auf einem mehrstufig erhöhten, freigestellten Platz am Rand des alten Ortskerns in Sichtweite zur evangelischen Hauptkirche Dietenhofens errichtet.

  • Beschreibung

    Grundriss

    Dietenhofen | St. Bonifatius | Grundriss

    Dietenhofen | St. Bonifatius | Grundriss

    Der regelmäßig-elliptische Grundriss ist längs einer West-Ost-Achse ausgerichtet. An der südöstlichen Seite befindet sich der Haupteingang zur Kirche, dem im Nordosten der Zugang der als eigenständiger Baukörper ausgeführten Sakristei gegenüberliegt. Der Querriegel beheimatet neben der Sakristei weitere Räume für die Gebäudetechik und die Ministranten. Dem Ensemble ist im Südwesten ein Glockenträger auf rechteckigem Grundriss zur Seite gestellt. Im westlichen Scheitelpunkt der Kirchen-Ellipse befindet sich der Altarraum, im Osten das Taufbecken. Ein im Bodenplattenbelag ablesbarer Laufgang verbindet die liturgischen Orte. Die zentral zu beiden Seiten aufgestellten Bankblöcke teilen den Raum in zwei gleichwertige Bereiche. Die an beiden Seiten fast vollständig umlaufenden Zusatzplätze verklammern den Raum hingegen.

    Außenbau

    Dietenhofen | St. Bonifatius | Außenbau | Foto: Klauser

    Dietenhofen | St. Bonifatius | Foto: Klauser

    Der sich zylindrisch erhebende Kirchenbau kann seine Wirkung durch die freigestellte Platzsituation voll entfalten. Die für die Energieversorgung des Baus so wichtige Solaranlage ist für den Besucher unsichtbar auf dem Kirchendach installiert. Die Außenhülle des Baus besteht aus einem strukturierten, schattierten, gräulich schimmernden Industrieglas, das nach aktuellen bauphysikalischen Richtwerten ausgewählt wurde. Es ermöglicht die optimale Licht-Wärme-Regulierung des Innenraums. Die holzverkleidete, quaderförmige, auf den Stufen der Platzanlage augeständerte Glockenstube des Campaniles zeigt eine schlankes goldfarbenes Kreuz.

    Innenraum

    Dietenhofen | St. Bonifatius | Innenraum | pde-Foto: Andreas Schneidt

    Dietenhofen | St. Bonifatius | pde-Foto: Andreas Schneidt

    Filigrane Stahlträger bilden eine Gitterstruktur, die eine äußere tragende und eine innere nichttragende Raumschale umfassen. Zwischen diesen beiden, separat verglasten Bauteilen befindet sich ein Wartungsgang von geringer Breite, der zusätzliche isolierend-regulierende Eigenschaften besitzt. Die markant-horizontale Linierung der gläsernen Wände ist von Hand aufgebracht. Bunte Felder setzten – den Raumachsen und den liturgischen Orten folgende – farbige Akzente. Die zwölf mal zwölf Lamellen der Stahlträger an der Decke umschreiben ein Kreuz, auf dem die eigentliche Betondecke ruht. Auch alle übrigen Maße des Innenraums (bis auf die Maße der Grundfläche) sowie zahlreiche Details der Ausstattung entsprechen der Zahl zwölf oder ihrem Vielfachen.

  • Liturgie und Raum
    Dietenhofen | St. Bonifatius | Innenraum | pde-Foto: Andreas Schneidt

    Dietenhofen | St. Bonifatius | pde-Foto: Andreas Schneidt

    Im Inneren von St. Bonifatius kann sich die Gemeinde ohne bauliche Zäsur in vollständiger Einheit mit den liturgischen Orten versammeln. Die Kirche ist in diesem Sinne ein Einraum – d. h. ein von Stützen und Sichtbarrieren gänzlich freigehaltener Raum, in dem sich alle für die Hauptliturgie bedeutsamen Gegenstände und Orte auf einer zentralen Raumachse befinden. Der Weg der Liturgie ist gekennzeichnet durch einen Materialwechsel des Eichendielenbodens zu querrechteckigen Kalkstein-Platten aus Pappenheimer Juramarmor in hellerem Farbton. Dieser Weg verbindet das Taufbecken im Osten der Kirche mit dem Altarblock im Westen. Hinter dem Altar ist ein Tabernakelschrein aufgestellt, dem im Osten ein Schrein für die heiligen Öle entspricht.

  • Ausstattung
    Dietenhofen | St. Bonifatius | Kreuzweg | Foto: Manuela Klauser

    Dietenhofen | St. Bonifatius | Kreuzweg Detail | Foto: Manuela Klauser

    Der Eichstätter Künstler Rudolf Ackermann (* 1936) gestaltete sowohl die liturgischen Hauptelemente wie Altar, Taufbecken, Tabernakel und den Schrein für die heiligen Öle, als auch die Apostelleuchter und die Kreuzwegstationen. Während der Schrein für die Öle auf sieben schlanken Rundstützen ruht (für die sieben Sakramente), sind es bei dem Tabernakel 24 (für die zwölf Apostel und zwölf Propheten). Der Taufort umfasst neben dem massiven – in Format und Material dem Altar angeglichenen – Block, in den ein achteckiges Taufbecken aus Stahl eingepasst ist, auch Platz für die Versammlung der Taufgemeinde zwischen östlicher Kirchenrückwand und Taufbecken. In den Deckel des Taufbeckens ist das Weihwasserbecken integriert. Längs der gläsernen Wände sind je sechs Apostelleuchter angebracht. Darunter befinden sich Holztafeln, versehen mit den römischen Ziffern I – XIV sowie je ein bis zwei Worten. Diese sind mit den Kreuzwegstationen Jesu zu assoziieren, ermöglichen dem Kirchenbesucher aber auch darüber hinausgehende, freie Gedanken, ebenso wie die frei auf die Glasscheiben des Innenraums verteilten Worte aus dem biblischen Offenbarungstext. Für das Konzept der Innenraum-Verglasung zeichnen die Schweizer Künstler Godi und Lukas Hirschi verantwortlich. Die Farbfelder – blaue und gelbe Horizontalbänder an den Längsseiten, rote und grün-blaue Vertikalbänder an den Endpunkten des Raums – sind mit liturgischen Farben in Zusammenhang zu bringen, folgen aber keiner stringenten Regel.

  • Von der Idee zum Bau
    Dietenhofen | St. Bonifatius | Tabernakel | pde-Foto: Andreas Schneidt

    Dietenhofen | St. Bonifatius | Tabernakel | pde-Foto: Andreas Schneidt

    Das fränkische Dietenhofen besitzt eine mehrheitlich evangelische Bevölkerung, so dass die katholische Gemeinde ab 1956 lediglich über eine Notkirche verfügen konnte. Deren Sanierungsbedarf sowie die gewachsene Gemeindegliederzahl bewog die Diözese zu einem Neubau in zentraler Ortslage. Am 22. Oktober 2006 wurde der Grundstein gelegt, doch aufgrund von Schwierigkeiten bei der gläsernen Außenfassade ruhte die Baustelle bis 2007. Am 27. September 2009 wurde St. Bonifatius von Bischof Gregor Maria Hanke feierlich geweiht. Das Raumkonzept wurde mit dem Eichstätter Bischofsvikar Georg Härteis und dem damaligen Ortspfarrer Sturmius Wagner erarbeitet.

  • Der Architekt Karl Frey
    Habsberg | Jugendhaus | Foto: DALLIBRI, CC BY SA 4.0

    Habsberg | Jugendhaus | Foto: DALLIBRI, CC BY SA 4.0

    Karl Frey (* 1943) studierte an der FH Nürnberg und – unterbrochen von einer Mitarbeit im Ingolstädter Büro Elfinger – an der TU München. Nach seiner Referendarszeit wurde er 1980 zum Regierungsbaumeister ernannt und war in der Folge freiberuflich tätig. Von 1984 bis 1889 wirkte er als Stadtbaumeister in Eichstätt. Als Diözesanbaumeister (und Universitätsbaumeister der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt) befasste sich Frey von 1992 bis 2010 mit Sanierungs-, Um- und Neubauprojekten. Er lehrte auch an den Hochschulen in Regensburg und in München.

    Freys konsequent-klare Formensprache steht für konstruktive, aber nicht für ästhetische Schlichtheit. Zu seinen anspruchsvollsten Projekten zählen die Umgestaltung der frühbarocken Kapelle St. Richard in Eichstätt zum Rechenzentrum der Diözese, der 2002 vollendete und vom BDA preisgekrönte Neubau des Jugendhauses und der Wallfahrtsgaststätte auf dem Habsberg bei Velburg sowie die Erweiterung und Sanierung von diversen Kirchen des Bistums. Mit St. Bonifatius in Dietenhofen verwirklichte Frey seinen einzigen vollständigen Kirchenneubau. Das energetisch hochmoderne Konzept bildet zugleich den baukünstlerischen Höhepunkt in seinem Schaffen.

  • Literatur (Auswahl)
    • Christoph Gunßer: Katholische Kirche in Dietenhofen. Transluzenz statt Transzendenz, in: Deutsche Bauzeitung 144, 2010, 40-45
      (www.db-bauzeitung.de/db-themen/db-archiv/transluzenz-statt-transzendenz/#slider-intro-9, Abrufdatum: 11. Dezember 2017).
    • Christoph Gunßer: Sonne, Sonde, Doppelschale. Die erste energieautarke Kirche in Dietenhofen von Karl Frey, in: Baumeister 107, 2010, 20-21.
    • Rüdiger Klein: Ein schöpferisches Bauamt in der Tradition, aber nicht im Schatten Karljosef Schattners, in: Das Münster 2002, 155-157.
    • Ludwig Mödl: Neubau der Bonifatiuskirche in Dietenhofen bei Nürnberg, in: Das Münster 63, 2010, 210-212.
    • Sankt Bonifatius, Dietenhofen, in: Chris van Uffelen, Sacred Architecture + Design: Churches, Synagogues, Mosques & temples, Salenstein/Schweiz 2014, 84-87.

     

    Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt.

Text: Dr. Manuela Klauser, Siegertsbrunn (Beitrag online seit 01/2018)