Karlsruhe

Lutherkirche

Anschrift Kirche
Durlacher Allee 23
76131 Karlsruhe
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche Bitte beim Pfarramt erfragen!
    Anschrift Pfarramt Luthergemeinde Karlsruhe
    Durlacher Allee 23 (Eingang Melanchthonstraße)
    76131 Karlsruhe
    0721 698345
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    Öffnungszeiten Pfarramt MO, DI, MI, FR: 9.00 - 12.00 Uhr
    Gottesdienstzeiten Kirche Die aktuellen Gottesdienstzeiten können online eingesehen werden unter: www.luthergemeinde.info/index.php/Gottesdienste.html.
    Kirchen im Südwesten

“Wirklich eine sehr schöne Sache!”

Im Jahr 1910 hielt sich der noch junge Le Corbusier während einer großen Studienreise durch Deutschland genau einen Tag in Karlsruhe auf. Die historische Pracht der großherzoglichen Residenzstadt scheint ihn wenig beeindruckt zu haben. Seinen Eltern in der Schweiz schrieb er damals: “Die Stadt wäre trostlos (…), wären da nicht die jungen Leute, die anfangen, sich Mühe zu geben.” Gemeint waren kreative Köpfe, die neue Pfade in Architektur und Kunstgewerbe beschritten, wie etwa das Architektenduo “Curjel & Moser”. Ihre von Kritikern als “modernistisch” verunglimpfte Lutherkirche nahm Le Corbusier eigens in Augenschein. Sein Urteil: “Es ist wirklich eine sehr schöne Sache!”

  • Überblick
    Ort
    Karlsruhe

    Landeskirche
    Evangelische Landeskirche in Baden


    Name der Kirche
    Lutherkirche

    Einweihung
    1907 (10. November)

    Architekten
    Robert Curjel, Karl Moser
    Besonderheit
    Wie kaum ein anderer Sakralbau seiner Zeit bildet die Lutherkirche eine Brücke von traditionellen Bauauffassungen zur modernen Architektur des 20. Jahrhunderts.

    Nutzung
    Gemeindekirche der Evangelischen Luthergemeinde Karlsruhe

    Standort / Städtebau
    Das Bauensemble der Lutherkirche (Kirche, Pfarrhaus und Gemeinderäume) erhebt sich auf einem unregelmäßigen Eckgrundstück zwischen Durlacher Allee, Georg-Friedrich-Straße und Melanchthonstraße.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Karlsruhe | Lutherkirche | Grundriss

    An einen Mittelraum auf quadratischem Grundriss schließen sich vier kurze, gerade abschließende Kreuzarme an. Der südliche Kreuzarm bildet den Eingangsbereich, dem außen eine Vorhalle auf rechteckiger Grundfläche angelehnt ist. Sein nördliches Gegenüber ist im Erdgeschoss durch eine halbrund geschlossene Kanzelwand vom Kirchenraum abgetrennt und umfasst dahinter mehrere Nebenräume. Über diesen Räumen befindet sich die Empore für die Orgel und den Sängerchor. In den drei anderen Kreuzarmen liegen Besucheremporen.

    Außenbau


    Karlsruhe | Lutherkirche | Außenbau | Foto: lkar.us, CC BY SA 3.0

    Die Lutherkirche zeichnet sich durch große, nur durch wenige Rück- und Vorsprünge sowie Fenster gegliederte Wandflächen aus. Das Kirchengebäude selbst ist zweigeschossig angelegt, der schlanke Glockenturm dreigeschossig. Durch die Verwendung grob behauener Quadersteine erscheint die Lutherkirche gleichsam wie aus dem Felsen gehauen. Dies hebt sie von der umgebenden Bebauung ab und lässt sie gleichzeitig größer erscheinen, als sie tatsächlich ist.

    Innenraum


    Karlsruhe | Lutherkirche | Innenraum | Foto: Luthergemeinde Karlsruhe/Irene Burger

    Das Innere der Lutherkirche besteht aus einem niedrigen, gewölbten, 16 Meter breiten Zentralraum, der sich in alle vier Himmelsrichtungen in flach abgeschlossene Kreuzarme mit Emporen öffnet. Belichtet wird der Kirchenraum unter den Emporen durch rundbogige Fenster, über den Emporen durch Großfenster. Das gesamte Innere ist auf die Trias Altar, Kanzel und Orgel ausgerichtet. Die Bemalung mit Rauten, Rechtecken und Strichbändern lässt sich dem geometrischen Jugendstil zuordnen. An den Emporenbrüstungen und Gewölben, aber auch an den Granitkapitellen lassen sich geschwungene Linien und Pflanzenmotive finden.


  • Liturgie und Raum

    Karlsruhe | Lutherkirche | Relief | Foto: Luthergemeinde Karlsruhe/Irene Burger

    Die Lutherkirche ist Teil einer zusammenhängenden Gruppe aus Kirche, Pfarrhaus und Gemeinderäumen. Zur Zeit ihrer Entstehung war ein solches “Pfarrzentrum”, das sakrale und profane Nutzungsmöglichkeiten vereinte, noch ein recht neues und kontrovers diskutiertes Konzept. Die Innengestaltung folgt dem “Wiesbadener Programm”, einem um die Jahrhundertwende populären Konzept im evangelischen Kirchenbau, das erstmals in der Ringkirche (1892-94) in Wiesbaden verwirklicht wurde: Leitmotiv ist die Einheit von Altar, Kanzel und Orgel in der Mittelachse des Innenraums. In der Karlsruher Lutherkirche sind Altar, Kanzel und Orgel jeweils übereinander und nach hinten versetzt angeordnet. Die Bankreihen ordnen sich bogenförmig darum an. Weil der Predigt nach reformatorischer Tradition ein besonderer Stellenwert beigemessen wird, ist die Kanzel hinter dem Altar stark erhöht. Zwei mächtige Treppen führen von beiden Seiten auf sie hinauf. Das dahinter angebrachte, raumgreifende Relief des Karlsruher Bildhauers Hermann Binz zeigt die Bergpredigt. Der predigende Jesus erhebt sich als Legitimations- und Leitfigur hinter dem predigenden Pfarrer. Die bauzeitliche liturgische Ausstattung wurde bei der Renovierung von 2017/18 durch ein Lesepult, einen Osterkerzenständer, einen Tauftisch (ersetzt einen Taufstein von 1971) sowie einen Altarkerzenständer des Pforzheimer Künstlers Harald Kröner ergänzt.

  • Ausstattung

    Karlsruhe | Lutherkirche | Glasgestaltung | Foto: Luthergemeinde Karlsruhe/Irene Burger

    Am Fuß des Glockenturms findet sich ein monumentales Relief des predigenden Martin Luther – ein Werk von Oskar Kiefer. Aus der Werkstatt dieses Ettlinger Bildhauers kommt auch das Tympanonrelief “Moses erhält die Gesetzestafeln” am südwestlichen Nebeneingang der Kirche. Zur ursprünglichen Ausstattung des Innenraums gehört der Kronleuchter, der im zentralen Kuppelgewölbe befestigt ist. Seine Metallbänder und großen Ringelemente sind flächig gearbeitet und durch geometrische Formen gegliedert, die der Jugendstilbemalung nach Entwürfen von “Curjel & Moser” entsprechen. Die heutige, abstrakt-farbige Glasgestaltung des Künstlers Klaus Arnold stammt aus dem Jahr 1962. Sie ersetzt die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fenster des Lörracher Kunstgewerblers Max Laeuger, die die Geburt Christi, Christus am Ölberg und die Auferstehung zeigten. Die 2001 eingebaute Mönch-Orgel ist dem ursprünglichen Instrument von 1907 (Voit-Orgel) nachempfunden, das im Zweiten Weltkrieg so stark beschädigt wurde, dass ein Neubau unumgänglich wurde.

  • Von der Idee zum Bau

    Karlsruhe | Lutherkirche | Außenbau | Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, Ansicht um 1907

    Mit der sprunghaft angestiegenen Einwohnerzahl Karlsruhes entstand ab dem Ende des 19. Jahrhunderts ein neuer Stadtteil östlich des Durlacher Tores, die sog. “Neuoststadt”. Der Bau einer eigenen evangelischen Predigtstätte wurde bald unumgänglich. Zwar rief der Kirchengemeinderat bereits 1889 eine Baukommission ins Leben, doch erst 1899 erwarb man den späteren Baugrund. Erste Entwürfe stammten vom evangelischen Kirchenbauinspektor Rudolf Burckhardt, der u. a. einen neugotischen Zentralraum vorsah. Das Projekt wurde schließlich Karl Moser und Robert Curjel anvertraut, die in Karlsruhe eine ganze Reihe von repräsentativen Projekten verwirklichten. Am 15. März 1905 erfolgte der erste Spatenstich, am 31. Mai, im Beisein von Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise von Baden, die Grundsteinlegung. Die Einweihung feierte man am 10. November 1907, dem Geburtstag Martin Luthers. 1944 wurden an der Lutherkirche durch mehrere Luftangriffe u. a. Fenster und Dach zerstört. Nach dem Kriegsende stellte man den Bau mit wenigen äußeren Veränderungen wieder her. In den 1960er Jahren erhielt der Innenraum einen einheitlich hellen Anstrich, was in den 1980er Jahren durch Rekonstruktion der ursprünglichen Bemalung rückgängig gemacht wurde.

  • Die Architekten Robert Curjel und Karl Moser

    Karlsruhe | Lutherkirche | Kapitell | Foto: Luthergemeinde Karlsruhe/Irene Burger

    Der aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Robert Curjel wurde am 17. Dezember 1859 in St. Gallen geboren. Sein Architekturstudium absolvierte er in Karlsruhe und München. 1885 oder 1886 lernte er den am 10. August 1860 in Baden/Schweiz geborenen Karl Moser kennen, der in Zürich Architektur studiert hatte. 1888 gründeten beide das Architektenatelier “Curjel & Moser” und ließen sich in Karlsruhe nieder. “Curjel & Moser” bestand bis 1915. Ab 1916 arbeitete Curjel für den Badischen Baubund, einem Verband zur Förderung des Wohnbaus in Baden. Er starb am 18. August 1925. Karl Moser hatte ab 1915 bis zu seiner Emeritierung 1928 eine Professur für Baukunst an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich inne. Er starb am 28. Februar 1936.

    “Curjel & Moser” besaßen eines der auftragsstärksten Büros der Jahrhundertwende. Dies betrifft nicht nur den Bereich des Sakralbaus. So gehen z. B. der Badische Bahnhof in Basel, das Kunsthaus und die Universitätskirche in Zürich auf ihre Entwürfe zurück. In Karlsruhe selbst konnten sie über 300 Projekte verwirklichen. Ihr Stil- und Formenrepertoire lässt eine Entwicklung vom Historismus über den Jugendstil zu Ideen des “Neuen Bauens” erkennen. Die Lutherkirche in Karlsruhe stellt in dieser Entwicklung einen entscheidenden Wendepunkt dar von der Neoromanik zu Elementen des geometrischen Jugendstils und damit zur Architektur der Moderne.

  • Literatur (Auswahl)
    • Elisabeth Bergmann (Hg.): Die Karlsruher Lutherkirche und der moderne Sakralbau. Künstler, Theorie, Ausstattung, Tübingen-Berlin 2008.
    • Festschrift zur Errichtung der Lutherkirche Karlsruhe. 10. November 1907, Karlsruhe 1907.
    • Artur Lehmann: Die Lutherkirche in Karlsruhe, in: Moderne Bauformen 7, 1909, 129-140.
    • Die neue Mönch-Orgel in der Lutherkirche Karlsruhe-Oststadt, hg. von der Evangelischen Luthergemeinde Karlsruhe, Karlsruhe 2001.
    • Wilfried Rößling: Curjel & Moser. Architekten in Karlsruhe/Baden. Eine Werkübersicht unter besonderer Berücksichtigung der Christuskirche und der Lutherkirche in Karlsruhe, Karlsruhe 1986.
    • Rundum Luther. Festschrift zum 100. Geburtstag der Lutherkirche Karlsruhe, hg. von der Evangelischen Luthergemeinde Karlsruhe, Karlsruhe 2007.
    • Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt, sie werden beim Klick auf das jeweilige Bild sichtbar.
Text: Manuel Uder M. A., Trier

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