Kiel

St. Lukas

Anschrift Kirche
Holtenauer Straße 327
24106 Kiel
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche Bitte beim Pfarramt erfragen!
    Anschrift Pfarramt Evangelisch-Lutherische Emmaus-Kirchengemeinde
    Charles-Roß-Ring 118-120
    24106 Kiel
    0431 3053310
    E-Mail
    Zur Webseite
    Öffnungszeiten Pfarramt MO, MI, DO: 9.00 - 10.30 Uhr
    DI, DO: 15.00 - 16.30 Uhr
    Gottesdienstzeiten Kirche Die aktuellen Gottesdienstzeiten können online eingesehen werden unter: www.emmaus-kiel.de/ueber-uns/gottesdienste/.
    Kirchen im Norden

“Backsteinbrutalismus”

In Norddeutschland gehört Backstein zum vertrauten Bild. Er verbindet ganz unterschiedliche Bauten verschiedener Jahrzehnte zu einem stimmigen Straßenbild. Auch in Kiel fügt das Klinkerrot die moderne Lukaskirche harmonisch in die Umgebung ein. Von Norden kommend, wirkt die sich zum Glockenturm emporreckende Kirche fast wie ein Solitär. Im Nähertreten erstreckt sich entlang der Holtenauer Straße dann ein backsteinverkleidetes Gemeindezentrum. Das niedrige Foyer durchschreitend, eröffnet sich dem Besucher schließlich ein betonsichtiger, plastisch vor- und rückspringender Kirchenraum – Brutalismus im besten Sinne.

  • Überblick
    Ort
    Kiel

    Landeskirche
    Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche)


    Name der Kirche
    St. Lukas

    Einweihung
    1981 (9. August)

    Architekt
    Diethelm Hoffmann
    Besonderheit
    Mit dem plastisch aufgefalteten – nach innen betonsichtigen und nach außen backsteinverkleideten – Baukörper von St. Lukas schlug der Architekt Diethelm Hoffmann 1981 den Bogen vom brutalistischen zum postmodernen Kirchenraum.

    Nutzung
    eine von drei Gottesdienststätten der Evangelisch-Lutherischen Emmaus-Kirchengemeinde Kiel

    Standort / Städtebau
    Im Norden von Kiel, im Süden des Stadtteils Wik, westlich der Kieler Förde, liegt die Lukaskirche an der Ecke Hohenrade/Holtenauer Straße.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Kiel | St. Lukas | Grundriss

    Dem Verlauf der Holtenauer Straße folgend, erstreckt sich der annähernd rechteckige Grundriss des Ensembles von Nordosten, wo die “Hohenrade” einmündet, bis nach Südwesten. Hier schließt sich ein Querriegel auf rechteckiger Grundlfäche an, der nach Osten zum Bürgersteig hin vorstößt. Der Kirchenraum liegt im Nordosten der Anlage, wo sich das Grundrissrechteck zur Ecke Holtauer Straße/Hohenrad hin durch tiefe Fensterschlitze zu einer vieleckigen Form öffnet. Hier ist der Altarbereich wiederum nach Nordwesten, zur ruhigen straßenabgewandten Seite hin ausgerichtet.

    Außenbau


    Kiel | St. Lukas | Außenbau | Foto: Jan Petersen

    Nach außen präsentiert sich die gesamte Anlage von St. Lukas als rottonig backsteinverkleideter Baukörper der nur in einigen wenigen tragenden Elementen Sichtbeton zeigt. Im Nordosten kragt der Kirchenbau über eine “Sockelzone” hinaus über den Bürgersteig, faltet sich auf zu Wandscheiben, die wiederum von tiefen Fensterschlitzen durchzogen werden. Die plastische Form gipfelt an der Straßenecke in einer Art Glockenturm mit bekrönendem Kreuz.

    Innenraum


    Kiel | St. Lukas | Innenraum | Foto: Ev.-Luth. Emmaus-Kirchengemeinde Kiel

    Zum Kirchenraum gelangt man von Osten von der Knorrstraße über die niedrige Foyer- und Garderobenzone. Der Kirchenraum selbst zeigt schalungsraue, plastisch vor- und rückspringende Betonwände und einen backsteinfarben gefliesten Boden. Der Altarraum im Nordwesten ist um zwei Stufen erhöht, an den übrigen drei Seiten verlaufen Emporen oder gestaffelte “Ränge”. Sein Licht erhält der Innenraum über seitliche Fensterschlitze und – vor allem im Altarraum – über die Sheddachaufbauten.


  • Liturgie und Raum

    Kiel | St. Lukas | Innenraum | Foto: Ev.-Luth. Emmaus-Kirchengemeinde Kiel

    So wie das Ensemble von St. Lukas verschiedene Funktionen (Kirche, Gemeindesaal, Gemeinde-, Büro- und Funktionsräume, Wohnungen) in einem Baukörper zusammenbindet, so ermöglicht der Kirchenraum selbst viele Nutzungsvarianten. Festgelegt wird die Richtung durch den um zwei Stufen erhöhten Altarraum und die rechts auf die Stufen gesetzte Kanzel. Alles Übrige – Altartisch, Taufständer und Stühle – ist beweglich ausgeführt. Auch die Raumstruktur selbst mit ihrer indirekten Wegeführung und den verschränkten Emporenzonen ermutigt zu den unterschiedlichsten liturgischen Formen. Bei aller Offenheit bleibt der Raum jedoch, ganz in der Tradition des dortigen Luthertums, von einer pragmatischen Sakralität bestimmt.

  • Ausstattung

    Kiel | Emmaus-Figuren für die Lukas-, Martins- und Osterkirche | Gestaltung: Suanne Kelm | Foto: Ev.-Luth. Emmaus-Kirchengemeinde Kiel

    Der Altartisch, das darüber hängende Kreuz, der Taufständer und der Kanzelkorb wurden ebenso wie die Stühle, aus hellem Holz gefertigt. Ursprünglich sollte die Orgel seitlich der Kanzel verortet werden, doch 1982 wählte man für das Instrument aus der Kieler Werkstatt Paschen dann doch die dem Altarraum gegenüberliegende Empore. 2008, als die Oster-, die Martingsgemeinde und Petrus Nord zur Emmaus-Kirchengemeinde zusammengelegt wurden, gestaltete die Künstlerin Susanne Kelm als Sinnbild dieser neuen Einheit drei bronzene Emmaus-Figuren, eine für jede Kirche: In St. Lukas ist sie gut sichtbar an der Altarwand angebracht. Die feste Ausstattung der Kirche wird regelmäßig durch Wechselausstellungen ergänzt.

  • Von der Idee zum Bau

    Kiel | St. Petrus | Foto: Matthias Süßen, CC BY SA 4.0

    Das nördlich von Kiel gelegene Dorf Wik (oder Wyck) wurde 1893 eingemeindet. Mit dem folgenden Ausbau des jungen Stadtteils entstand bis 1907 auch die protestantische Kirche St. Petrus nach Entwürfen der Architekten Karl Moser und Robert Curjel. Der Plan, im selben Stadtteil weiter südlich eine neue protestantische Kirche zu errichten, wurde getragen von den beiden Gemeindeteilen Petrus Nord und Süd. Den 1975 ausgelobten Wettbewerb konnte das noch junge Kieler Büro Jungjohann + Hoffmann + Klug für sich entscheiden, ausführender Architekt war Diethelm Hoffmann. Am 24. November 1978 wurde der Grundstein gelegt, die Einweihung am 9. August 1981 gefeiert. Seit 2008 gehört die Lukaskirche zur Evangelisch-Lutherischen Emmausgemeinde, die auch das ehemalige Gebiet von Petrus Nord umfasst.

  • Der Architekt Diethelm Hoffmann

    Potsdam-Babelsberg | Friedrich-Naumann-Stiftung | Foto: Dieter Naber, CC BY SA 3.0

    Diethelm Hoffmann (* 1935) absolvierte sein Architekturstudium bis 1963 an der TH Braunschweig, wo er auch zum Mitarbeiter und bis 1969 zum Assistenten von Dieter Oesterlen wurde. Ab 1970 arbeitete er wieder in Kiel als freier Architekt in wechselnden Büropartnerschaften: zunächst mit Hans Jungjohann, 1980 kam Horst Krug hinzu, 1994 verblieben Hoffmann und Krug – und schließlich nahm Diethelm Hoffmann seine Tätigkeit wieder als einzelner Freischaffender auf.

    Sein architektonisches Werk ist von Wohnbauten und öffentlichen Projekten geprägt. Für seine Gestaltung des Kulturviertels im Sophienhof Kiel von 1988 erhielt er im Folgejahr den BDA-Preis. Aber er beherrscht auch den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz, wenn er 2009 die gotische Gertrudenkapelle in Güstrow um einen Besucherpavillon ergänzte oder 2001 in Potsdam für die Friedrich-Naumann-Villa eine Reminiszenz an den Internationalen Stil neben die historistische Truman-Villa stellte. In diesem Spektrum zählt St. Lukas zu den Höhepunkten seines – zwischen Brutalismus und Postmoderne changierenden – Frühwerks. Hoffmann lehrte an der FH Kiel, ab 1992 als Honorarprofessor. Er ist Ehrenpräsident der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein.

  • Literatur (Auswahl)
    • Jürgen Bade/Diethelm Hoffmann: Das Wohnstift Klosterkirchhof. The Klosterkirchhof Home, Berlin 1994.
    • Oliver Elser: Just what is it that makes Brutalism today so appealing? Eine neue Definition aus internationaler Perspektive, in: Oliver Elser/Philipp Kurz/Peter Cachola Schmal (Hg.): SOS Brutalismus. Eine internationale Bestandsaufnahme, ein gemeinsames Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung, Ausstellungskatalog, 9. November 2017 bis 2. April 2018, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt, Zürich 2017, 15-19.
    • Die St. Lukaskirche. Geschichten, Zahlen und Fakten, hg. von der Evangelisch-Lutherischen Emmaus-Kirchengemeinde Kiel, Kiel o. J.
    • Dieter-Jürgen Mehlhorn: Architekturführer Kiel, Berlin 2010, 2. Auflage.
    • Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt, sie werden beim Klick auf das jeweilige Bild sichtbar.
Text: Dr. Karin Berkemann, Frankfurt am Main/Greifswald

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