Köln-Ehrenfeld

St. Mechtern

Anschrift Kirche
Mechternstraße 4-8
50823 Köln
  • Informationen
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    Öffnungszeiten bitte beim Pfarramt erfragen!
    Anschrift Pfarramt Katholisches Pfarramt St. Joseph und St. Mechtern
    Klarastraße 15
    50823 Köln
    0221 951790
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    Öffnungszeiten Pfarramt MO-FR: 10.00 - 12.00 Uhr
    MO, DI: 13.00 - 15.00 Uhr
    DO: 13.00 - 18.00 Uhr
    Gottesdienstzeiten Kirche Aktuelle Gottesdienstzeiten sind einsehbar unter: www.seelsorgebereich-ehrenfeld.de.
    Kirchen im Westen

Auf blutgetränktem Boden

Fünf Kirchen wurden auf dem Boden des Martyriums des Heiligen Gereon und seiner Gefährten aufgebaut. Alle fünf Kirchen fielen meist unter schrecklichen Umständen den Wirren der Geschichte zum Opfer. Seit 1954 steht hier die sechste Kirche, die Rudolf Schwarz als Pfarrkirche für die Ehrenfelder und zugleich als Erinnerungsort “ad martyres” für ganz Köln errichtet hat. Die helle, in ihrer Formensprache reduzierte Hallenkirche St. Mechtern ist ein wahrer “Festsaal Gottes” (R. Schwarz), der sich inmitten der Wohnbebauung des Arbeiterviertels auftut. Spuren der Vorgängerkirche sowie Verweise auf die Geschichte dieses Ortes ergänzen diesen besonderen Kirchenraum, dessen “kostbarster Baustoff das Licht ist” (R. Schwarz).

 

  • Überblick
    Ort
    Köln-Ehrenfeld

    Bistum
    Erzbistum Köln

    Name der Kirche
    St. Mechtern

    Weihe
    1954 (November)

    Architekt
    Rudolf Schwarz
    Besonderheit
    Der "Baustoff" Licht wird durch eine kostengünstige Konstruktion von Wilhelm Schorn zum Raum geformt: Fensterwerke sind flächige Tragwerke, die sich nach dem Baukastenprinzip zusammensetzen.

    Nutzung
    Pfarrkirche des Katholischen Seelsorgebereiches Köln-Ehrenfeld (St. Joseph, St. Mechtern, St. Peter, St. Anna und St. Barbara)

    Standort / Städtebau
    Lückenlos eingebunden in die Wohnbebauung der Mechternstraße, liegt St. Mechtern am überliefertem Standort des Martyriums von Gereon und seinen Gefährten.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Köln-Ehrenfeld | St. Mechtern | Grundriss
    Der Grundriss der Kirche spiegelt ihr einfaches, kubisches Erscheinungsbild wider. Der kompakt auf den Altarraum hin ausgerichtete, rechtwinklige Kirchenraum wird von zwei Pfeilerreihen in drei Schiffe unterteilt. Im Norden fügen sich ein Vorraum, sowie ein gestreckter, ebenfalls rechtwinkliger Raum als Werktagskapelle und schließlich die Sakristei an. In das südliche Seitenschiff sind die Treppe zur Krypta wie auch die Turmkapelle integriert.

    Außenbau


    Köln-Ehrenfeld | St. Mechtern | Außenbau | Foto: Joauth, CC BY A 3.0
    Von außen ist die Mechternkirche kaum zu erkennen: Nahtlos in die Wohnbebauung zwischen Mechtern- und Thebäerstraße eingefügt, deutet lediglich die über die Dachkante hinausragende, dunkel verkleidete Turmkappe auf den sakralen Ort hin. Drei unterschiedlich gestaltete Eingänge prägen die Kirche von der Mechternstraße her: Ein Rundbogenportal befindet sich im von der Vorgängerkirche erhaltenen Turmstumpf. Die zweite, mittlere Pforte fügt sich in das prägende durchfensterte Quaderraster ein. Dieses um wenige Stufen erhöhte Bronzeportal ist schlicht gestaltet. Während hier zwei Oranten die Türgriffe bilden, gilt es an der dritten Eingangstüre den Teufel selbst zu überwinden. Dieses dritte, stufenlose Werktagsportal befindet sich in einem an den Hauptbaukörper angefügten, niedrigeren Bauteil und ist daher kaum als Kircheneingang wahrnehmbar. Dennoch ist dieser der eigentliche, von Schwarz intendierte Eingang.

    Innenraum


    Köln-Ehrenfeld | St. Mechtern | Innenraum | Foto: Landschaftsverband Rheinland
    Denn um ins Innere zu gelangen, gilt es, “den reinigenden Regen des Lichtes” (R. Schwarz) zu durchschreiten, hinein in einen dunklen, mit Backstein ausgekleideten Raum: Schwellenort zwischen der Tristesse der Wohnstraße und dem sich bereits hell und freundlich ankündigenden sakralen Raum, der hinter der nächsten Glastür aufscheint. Wagt man den Schritt durch die Glastür und die Seitenkapelle hindurch, reißt der Raum in die Höhe: Von Licht durchbrochene Wände aus einem gleichmäßigen Raster von quer- und hochrechteckigen Flächen prägen diesen hohen, hellen Raum (Fenster Kirchenraum: Wilhelm Buschulte, ab 1966; Fenster Krypta: Ludwig Gies, 1956). Sechs weiße Pfeiler stützen die hohe Decke und gliedern die Halle. Das Mittelschiff führt auf die Altarinsel zu, auf der – um mehrere Stufen erhöht – unter einem Baldachin der Altar steht. Zartes Rosé, Weiß und helles Grau unterstreichen die dezente Feierlichkeit des sakralen Raumes.

  • Liturgie und Raum

    Köln-Ehrenfeld | St. Mechtern | Ambo | Foto: Landschaftsverband Rheinland

    Wo zwischenzeitlich ein roter Teppich lag, ist heute ein Band aus rotem Marmor in den sonst weißen Boden der Altarinsel eingelassen. Das Marmorband wird überfangen vom Altar, flankiert von Ambo und Kredenz und führt hin zum erhöht stehenden, vom herabhängende Baldachin (Hanns Rheindorf, 1956) überfangenen Tabernakel (Hanns Rheindorf, 1956). Als Tisch des Mahls ist der Altar vom Gemeinderaum aus von drei Seiten zugänglich; es bildet sich ein “offener Ring” (R. Schwarz) um die Schwelle – den Altar – herum. Die Licht gewordene Altarrückwand greift das Fenstermotiv des Gemeinderaumes auf und verbindet somit die Gemeinde mit dem Altar(raum). Auf der linken Seite der Altarinsel hat heute die Taufe ihren Ort gefunden: Taufstein und Osterkerze stehen inmitten der sie umgebenden Bestuhlung. Auf der rechten Seite der Altarinsel ist vor einem Kruzifix Platz für die persönliche Andacht.

    1966 wurde die von Rudolf Schwarz ursprünglich geschaffene Raumsituation durch seine Frau Maria gemäß den neuen liturgischen Richtlinien umgestaltet. Der Altar, der vorher unmittelbar vor dem Tabernakel regelrecht auf einem Stufenberg stand, wurde von seinem hohen Sockel herunter und weiter in den Gemeinderaum hineingeholt. Außerdem wurde mit dem Ambo ein Ort für die Wortverkündigung geschaffen. Die als Abschrankung fungierende Kommunionbank entfiel. Eine weitere Umgestaltung fand 1984 ebenfalls durch Maria Schwarz statt.

  • Ausstattung

    Köln-Ehrenfeld | St. Mechtern | Orgelemempore| Foto: Landschaftsverband Rheinland

    Sechs Heilige – stellvertretend für sechs europäische Nationen – vermitteln den Gedanken der europäischen Friedenskirche: Nikolaus von Flüe (Schweiz), Elisabeth von Thüringen (Deutschland), Olaf II. von Norwegen (Skandinavien), Thomas Morus (England), Jeanne d’Arc (Frankreich) und Johannes von Gott (Spanien). Es war der Wunsch des Pfarrers nach den schrecklichen Jahren des Kriegs aus der neugebauten Kirche ausdrücklich einen Ort des Friedens zu machen. Alle sechs hölzernen Skulpturen wurden im Laufe der 1950er Jahre von verschiedenen Künstlern für den Altarraum der Kirche geschaffen. Heute verteilen sie sich in der gesamten Kirche. An der Wand der Seitenkapelle entlang erstreckt sich ein von M. Percy gestalteter, textiler Kreuzweg aus dem Jahr 1971. Im Rücken der Gemeinde steht auf einer Empore die zweiteilige Orgel von Ernst Seifert (1958): der Hauptteil fügt sich zwischen Wand und Fenster in den Winkel, ein kleinerer Orgelprospekt ist optisch wirksam an der Emporenbrüstung angebracht.

    Die Krypta, die sich unter dem Altarraum befindet, wird von mächtigen Stützpfeilern getragen, die als Spolien aus der Vorgängerkirche erhalten sind. In dem ebenfalls noch erhaltenen Turmstumpf wurde eine Marienkapelle eingerichtet, die 1956 neu von Peter Hecker ausgemalt wurde. Diese kleine Kapelle erinnert an die u. a. von Hecker prachtvoll ausgeschmückte Mechternkirche von Eduard Endler, die 1944 dem Bombenhagel zum Opfer fiel. Der Heiligenlegende nach wurden die glaubenstreuen Mitstreiter Gereons nach Ihrem Tod in einen Brunnen geworfen. Daran erinnert der Brunnen vor der Kirche mit der Inschrift: “Heilige Stätte, geweiht durch Gereons Blut und der Brüder, kündest des Glaubens Sieg über die heidnische Welt”. Die Schlange, als Sinnbild für das Heidnische, wird überwunden von Christus (Christusmonogramm und Taube).

  • Von der Idee zum Bau

    Der heutige, 1954 geweihte Kirchbau von Rudolf Schwarz ist die insgesamt sechste Mechternkirche am Ort des Martyriums des Heiligen Gereon und seiner Mistreiter. Das Patrozinium St. Mechtern leitet sich von lat. “ad martyres” her, bezeichnet also den Ort des Martyriums. Bereits früh ist hier eine Kapelle nachweisbar, 1180 wurde sie zu einer Abtei für Augustiner Chorherren ausgebaut. Nach einer wechselvollen Geschichte brannte die Abtei 1276 nieder. Die daraufhin an diesem Ort vor den Stadtmauern Kölns errichtete Zisterzienserinnenabtei aus dem Hochmittelalter musste 1474 zum Schutz der Stadt vor der Belagerung Karls des Kahlen abgebrochen werden. Nur neun Jahre später wurde diese wieder aufgebaut, 1770 noch einmal erweitert bis sie dann im frühen 19. Jahrhundert Napoleons Säkularisationswelle zum Opfer fiel.

    Hundert Jahre dauerte es, so lange wie nie in der Geschichte zuvor, bis wieder ein Gedächtnisort des Martyriums an dieser Stelle erbaut werden konnte. 1909 stellte der Architekten Eduard Endler den neoromanischen Kreuzkuppelbau fertig. Mit seiner reichhalten Mosaikausstattung, der mächtigen Kuppel und den riesigen Vierungsbögen unterscheidet sich dieser – 1944 im Bombenhagel ebenfalls zerstörte – Bau erheblich von der schlichten, reduzierten Sachlichkeit der heutigen Mechternkirche.

  • Der Architekt Rudolf Schwarz

    Gerade die Nachkriegsbauten von Rudolf Schwarz erhalten “die große geschichtliche Spur” (R. Schwarz) eines Orts, integrieren diese in den neuen Bau und betonen damit ihre Bedeutung für die Zukunft. Nicht nur in St. Mechtern ist dieses Zusammenspiel von historischer Spur und moderner Interpretation in herausragender Weise gelungen. Auch die Neugestaltung der neoromanischen Kirche St. Heribert in Köln-Deutz oder der Neubau von St. Joseph in Köln-Braunsfeld geben davon Zeugnis. Schwarz hat jedoch nicht nur als Kirchenbauer das Erscheinungsbild der Stadt Köln entscheidend geprägt, sondern auch als Generalplaner der Stadt (1946-52) und als Architekt profaner Bauten: Gürzenich (1949-55) und Wallraf-Richartz-Museum (1950-58), heute Museum für Angewandte Kunst). Schwarz, geboren 1897 in Straßburg, starb 1961 in Köln-Müngersdorf.

  • Literatur (Auswahl)

    • Karin Becker: Rudolf Schwarz, 1897 – 1961. Kirchenarchitektur, Bielefeld 1981.
    • Helmut Fußbroich: Architekturführer Köln. Sakralbauten nach 1900, Köln 2005, 114-115.
    • Wilhelm Haferkamp (Hg.): Die Malereien der St. Mechternkirche in Köln, Köln 1934.
    • Ottmar Kerber/Rudolf Schwarz: Liebfrauenkirche in Köln-Mühlheim und St Mechtern in Köln-Ehrenfeld, in: Das Münster 9 (1956) 417-427.
    • Georg Lill: Neuzeitliche Ikonographie, in: Die Christliche Kunst 31 (1934/35) 252-253.
    • Johann Engelbert Schrills (Hg.): Zur Geschichte von Mechtern-Ehrenfeld, Köln-Ehrenfeld 1907.
    • Maria Schwarz: Rudolf Schwarz – Kirchenbau der 50er Jahre, in: schwarz auf weiß. Informationen und Berichte der Künstler-Union-Köln 5 (1995).
    • Rudolf Schwarz: Kirchenbau. Welt vor der Schwelle, Nachdruck der ersten Auflage 1960, hrsg. v. Maria Schwarz, Albert Gerhards und Josef Rüenauver, Regensburg 2007.
    • Franz Sünkler (Hg.): St. Mechtern Köln-Ehrenfeld, Wiesbaden 1968.

Text: Anja Becker-Chouati M. A., Köln

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