Krefeld-Bockum

Christuskirche

Anschrift Kirche
Schönwasserstraße 104
47800 Krefeld

“Alles unter einem Dach”

Als es Mitte der 1960er Jahre an den Bau der Christuskirche ging, hatten das Presbyterium und die Architekten Erich Fohrer und Hans Heinrich Schneiders klare Vorstellungen: Wie bei einem Kloster sollte “alles unter einem Dach” stattfinden. Um die Kirche gruppierte man daher die verschiedensten Räume: ein Foyer mit Kaffeebar, eine Bibliothek sowie weitere Gemeinde- und Jugendräume, die zusammen mit einem Kindergarten eine gut ausbalancierte Anlage formen. In deren Mitte bildet der Kirchenbau den unübersehbaren Mittelpunkt. Nach außen wird der Kubus durch seine Höhe und den Glockenturm ausgezeichnet. Im Inneren findet sich die Gemeinde auf quadratischem Grundriss unter dem kreisrunde Radleuchter zur Gemeinschaft zusammen.

  • Überblick
    Ort
    Krefeld-Bockum

    Landeskirche
    Evangelische Kirche im Rheinland 


    Name der Kirche
    Christuskirche

    Einweihung
    1966 (26. Juni)

    Architekten
    Ernst Fohrer, Hans Heinrich Schneiders
    Besonderheit
    Das Ensemble von großer formaler Klarheit versammelt unterschiedliche Gemeindefunktionen "unter einem Dach", ohne dabei den Kirchenbau als architektonischen wie theologischen Mittelpunkt der Anlage aus dem Auge zu verlieren.

    Nutzung
    Predigtstätte der evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Bockum

    Standort / Städtebau
    Das Gemeindezentrum liegt im Osten von Krefeld inmitten eines ruhigen grünen Wohngebiets mit Villen und Bürgerhäusern.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Krefeld-Bockum | Christuskirche | Lageplan

    Der Kirchenbau erhebt sich über einem quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von ca. 20 Metern. Im Westen schließt die rechteckige Grundfläche der Taufkapelle an. Der über eine Rampe mit der Kirche verbundene Glockenturm auf rechteckigem Grundriss wurde im Osten zur Straße hin vorgerückt. Südlich sind die Gemeinderäume angefügt, die zusammen mit dem Ernst-Moritz-Arndt-Haus (1927) den Kirchenvorplatz einrahmen.

    Außenbau


    Baienfurt | Mariä Himmelfahrt | Außenbau | Foto: Michalea Kalusok/Jürgen Wiener

    Das flachgedeckte Ensemble zeigt nach außen brauntonige Backsteine und grauen Sichtbeton. An den Kirchenkubus sind die weiteren Gebäudeteile angesetzt, die sich (wie ineinander verschachtelt) an den Hauptbau angliedern. Über den hohen Backsteinwänden wird der Kirchenbau von einem Betonglas-Relief umzogen, das wiederum nach unten durch ein schmales, nach oben durch ein breites Sichtbeton-Band eingefasst ist. Das obere Band wird in der Brücke wiederaufgenommen, die sich wie ein Riegel zwischen Turm und Kirche schiebt. Betonglas rahmt auch die bronzenen Türflügel des Haupteingangs, der von der Brücke überspannt wird. Trotz dieser Verbindung wirkt der 33 Meter hohe Turm wie freistehend. Er zeigt eine an zwei Seiten offene Konstruktion, zwischen deren Betonwänden ein offener Treppenaufgang zum Glockenstuhl führt.

    Innenraum


    Krefeld-Bockum | Christuskirche | Innenraum | Foto: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Jürgen Gregori

    Die Christuskirche wird von massiven Backsteinwänden umschlossen und von einem Fensterband aus weißgetönten Betonglas beleuchtet. Dieses umzieht den Raum in ca. 9 Metern Höhe, so dass die durch kleine Betonstützen gehaltene Decke fast zu schweben scheint. Beherrschend wirkt der große Lichtkranz mit 40 Strahlern, der den quadratischen Raum gleichsam umkreist. Der Abendmahltisch und das Lesepult stehen auf einem Podest, um das sich drei (rechnet man die Kapelle hinzu vier) Bankblöcke gruppieren. Die Kanzel mit ihrem vor der Rückwand langgezogenen Aufgang hinterfängt den Altarbereich und fügt sich mit ihren Backsteinoberflächen organisch in den Raum ein. Dagegen scheint die Betonbrücke von außen fast brutal durch das Betonglas des Haupteingangs in das Innere “einzubrechen”. Hier bildet der massive Betonbalken eine Orgelempore aus. Die Taufkapelle mit vertikalen, teils blautonigen Lichtbändern öffnet sich weit zum Kirchenraum und wird heute als Werktagskapelle genutzt.


  • Liturgie und Raum

    Krefeld-Bockum | Christuskirche | Innenraum | Foto: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Jürgen Gregori

    Der Gottesdienstraum der Christuskirche erhebt sich richtungslos über einem quadratischen Grundriss. Aus Backstein aufgemauert, markieren Kanzel und Taufstein unverrückbare liturgische Orte. Der Abendmahltisch und das Lesepult hingegen wurden beweglich gestaltet. In einer früheren Planungsstufe sollte anstelle der Bänke sogar eine lose Bestuhlung eingebracht werden. Dieser schlichte, in vielen Punkten variable, programmatisch auf jeden Bildschmuck verzichtendende Raum entspricht der Tradition der ursprünglich reformierten Gemeinde, wenn diese auch bereits 1821 mit den anderen Protestanten Krefelds zu einer unierten Gemeinde zusammengeschlossen wurde.

  • Ausstattung

    Krefeld-Bockum | Christuskirche | Innenraum während der Restaurierung | Foto: Michaela Kalusok/Jürgen Wiener

    Die den Raum prägende, abstrakt gehaltene Betonglasgestaltung ist ein Werk des Künstlers Gerhard Dreher (1924-2008), der es gemeinsam mit den Architekten Erich Fohrer und Hans Heinrich Schneiders entwarf. Als einziger fester Wandschmuck dient links des Kanzelaufgangs ein schmales, schwarz gefasstes Metallkreuz. Die fünf Antependien, eine Seidenwebarbeit nach Entwürfen von Gisela Dreher-Richels (* 1924), hängen vor der Kanzel bzw. zeitweise an der Ostwand des Gottesdienstraums und werden im Verlauf des Kirchenjahrs ausgewechselt. Ebenso wie das Lesepult ist auch der Abendmahltisch beweglich gehalten. In beiden Fällen handelt es sich um leicht wirkende, schwarz gefasste Metallkonstruktionen mit hellen Holzelementen. Das Abendmahlsgerät, die aus Backstein aufgemauerte Kanzel mit ihrem Aufgang und der ebenfalls aus Backstein erstellte Taufstein gehen auf Entwürfe der Architekten zurück. Die Orgel stammt ebenso wie ihr flexibles Positiv aus der Hamburger Werkstatt von Beckerath.

  • Von der Idee zum Raum

    Krefeld-Bockum | Christuskirche | Innenraum während der Restaurierung | Foto: Michaela Kalusok/Jürgen Wiener

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der Protestanten im Rheinland durch den allgemeinen Bevölkerungsanstieg ebenso stark an wie durch den Zuzug von Flüchtlingen aus dem östlichen Mitteleuropa, dem Balkan, der DDR und der Sowjetunion. Mit dieser Entwicklung wurden zahlreiche Kirchenneubauten notwendig. Auch in Krefeld-Bockum gründeten die Protestanten 1960 einen Kirchbauverein und lobten einen Architektenwettbewerb aus. Der angestrebte Neubau sollte ursprünglich das von Arnold Esch entworfene Gemeindehaus aus dem Jahr 1927 ersetzen, das heute als Gemeindesaal dient. Aus dem Wettbewerb unter dem Vorsitz des in Düsseldorf tätigen, aber aus Krefeld stammenden Architekten Helmut Hentrich gingen 1961 die Krefelder Architekten Ernst Fohrer und Hans Heinrich Schneiders als Sieger hervor. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Januar 1965, die Einweihung am 26. Juni 1966. Auf Beschluss des Presbyteriums erhielt die “Evangelische Kirche Bockum” 1998 den Namen Christuskirche. Bis November 2017 wurden im Innenraum Restaurierungsarbeiten vorgenommen.

  • Die Architekten Ernst Fohrer und Hans Heinrich Schneiders

    Münster/Westfalen | Landesmuseum für Naturkunde mit Planetarium | Foto: Schuetze 1988, CC BY SA 3.0

    Ernst Fohrer (* 6. November 1920, + 10. August 1999) absolvierte zunächst eine Ausbildung in der Buchdruckerei seines Vaters in Krefeld. Nach dem Krieg begann er ein Architekturstudium in Karlsruhe, u. a. bei Egon Eiermann, um sich 1949 mit einem Büro selbständig zu machen. Hans Heinrich Schneiders (*26. Juni 1933, + 29. Mai 1992), der an der TU Darmstadt Architektur studiert hatte, arbeitete zunächst bei Fohrer, bis er bei ihm 1964/65 als Partner einstieg. Das Büro führte zahlreiche Wettbewerbe und Aufträge für die Evangelische Kirche im Rheinland aus. Es entstanden Gemeindezentren, Altenheime und Kirchen, darunter die Lukaskirche in Krefeld-Gartenstadt (1960) und die Jonakirche in Düsseldorf-Lohhausen (1989). Von den Bauten der öffentlichen Hand ist besonders das LWL-Museum für Naturkunde (Westfälisches Landesmuseum in Münster mit Planetarium, 1982) hervorzuheben.

  • Literatur (Auswahl)
    • 50 Jahre Christuskirche 1966-2016, hg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Ost, Krefeld 2016.
    • 25 Jahre Evangelische Kirche Krefeld-Bockum. Festschrift, hg. vom Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Ost, Krefeld 1991.
    • Hans-Peter Schwanke: Architekturführer Krefeld, Krefeld 1996.
    • Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt, sie werden beim Klick auf das jeweilige Bild sichtbar.
Text: Dr. Michaela Kalusok, Düsseldorf

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