Ludwigshafen

Lukaskirche

Anschrift Kirche
Kurfürstenstraße 46
67061 Ludwigshafen

“Gebauter Gottesdienst”

“In erster Linie gebauter Gottesdienst” sollte sie nach den Worten des Architekten Otto Heinrich Vogel sein: die protestantische Lukaskirche, die das Sakrale betonen und durch anspruchsvolle Materialien ebenso wie durch Schlichtheit, Ruhe und Würde in die umgebende profane Welt ausstrahlen sollte. Die edle Sandstein-Fassade, die an die Romanik erinnert, zeigt ein reiches plastisches Dekor, während die Seitenwände mit ihrem strengen Sichtbeton-Raster die Moderne der Jahre um 1960 widerspiegeln.

  • Überblick
    Ort
    Ludwigshafen

    Landeskirche
    Evangelische Kirche der Pfalz


    Name der Kirche
    Lukaskirche

    Einweihung
    1961 (15. Januar)

    Architekten
    Heinrich Otto Vogel, Erwin Morlock
    Besonderheit
    Der Architekt Heinrich Otto Vogel verband 1961 moderne und traditionelle Formen mit einem für den evangelisch-unierten Kirchenbau damals noch ungewöhnlichen Bildreichtum.

    Nutzung
    Predigtstätte der Protestantischen Kirchengemeinde Ludwigshafen-Süd

    Standort / Städtebau
    Die Lukaskirche entstand auf einem schmalen Grundstück, inmitten der engen Bebauung im Ludwigshafener Süden. Das Gebiet zwischen Rhein und Bahnstrecke wird einerseits durch Villen, andererseits auch durch Industrie- und Verwaltungsbauten geprägt.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Ludwigshafen | Lukaskirche | Grundriss

    Die Lukaskirche erhebt sich über einem querrechteckigem Grundriss als dreischiffige Halle, die nach Norden ausgerichtet ist. Im Nordwesten schließt sich als kleiner Anbau die Sakristei an.

    Außenbau


    Ludwigshafen | Lukaskirche | Außenbau | Foto: Michaela Kalusok/Jürgen Wiener

    Die mit rotem Sandstein verkleidete Fassade verweist mit ihren drei Portalen und ebensovielen gleichhohen, je von einem Kreuz gekrönten Giebeln auf die Gliederung des Innenraums. Neben einem kleinen Rundbogenfenster im mittleren Giebel bilden die rechteckigen Portale die einzigen Öffnungen. Die Fassade, ein Wechsel aus geglätteten und roh behauenen Steinen, wird belebt durch Wasserspeier und Reliefs (Franz Lind). Dagegen sind die durchlichteten Seitenwände aus einem Raster versetzt angeordneter, kelchförmiger Betonelemente gebildet. Während der Vorplatz der Kirche im Süden zu den Portalen hin erhöht ist, wurde die Rückseite vertieft angelegt. So erscheinen die unter dem Kirchsaal angeordneten Gemeinderäume nicht als Souterrain.

    Innenraum


    Ludwigshafen | Lukaskirche | Innenraum | Foto: Michaela Kalusok/Jürgen Wiener

    Durch das Mittelportal eintretend, führt ein Gang zwischen den Bankreihen direkt zum Altar, der über ein Podest hinausgehoben ist. Die quergerichtete Hallen wirkt so zunächst wie eine Wegekirche, die aber durch Bänke unter den beiden Seitenemporen zum Gemeinschaftsraum erweitert wird. Die Emporen erstrecken sich über die Seitenwände und werden über Treppen zuseiten des Eingangs erreicht. Vier sich nach unten verjüngende Betonpfeiler stützen die Balkenkonstruktion der drei hölzernen Giebeldächer. Allerdings wird diese Dreischiffigkeit durch die Bankreihen wieder aufgehoben, die sich jeweils über Mittel- und Seitenschiff erstrecken. Die fensterlosen, mit Klinkern verkleideten Nord- und Südwände wirken als dunkle Folie für das aus den durchbrochenen Seitenwänden eindringende Tageslicht. Die wie Kelche oder stilisierte betende Hände geformten Betonelemente sind mit buntem Glas gefüllt.


  • Liturgie und Raum

    Ludwigshafen | Lukaskirche | Altarkreuz | Foto: Michaela Kalusok/Jürgen Wiener

    Die pfälzische Landeskirche formierte sich 1818 als unierte Kirche. Daher überrascht der Bilderreichtum der Lukaskirche, der sich von der Fassade bis in den Innenraum fortsetzt: Über dem Altar hängt ein stilisiertes Kruzifix, die Wand ziert unübersehbar ein Mosaik mit Szenen aus dem Gleichnis des Verlorenen Sohns. In der Predigt anlässlich der Übernahme des Mosaikbilds am 9. Juli 1961 betonte Dekan Theo Seifert dessen schlichte Gestaltung. Sie solle dafür sorgen, dass “die Gemeinde sich nicht in der Betrachtung eines Bildes verliert”.

  • Ausstattung

    Ludwigshafen | Lukaskirche | Altarbild | Foto: Michaela Kalusok/Jürgen Wiener

    Mit dem Altarwand-Mosaik erzählte die Kasseler Künstlerin Christiane Wollenhaupt-Brenner (1935-2006) in fünf Bildern vor goldenem Grund 1961 das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Das Hängekreuz wurde 1961 vom Gold- und Silberschmied Hermann Jünger (1928-2005) aus Taufkirchen gefertigt. Die aus gekerbten Holzbalken über einem Betonsockel stehende Kanzel am linken Pfeiler wurde vom Architekten Heinrich Otto Vogel entworfen. Getauft wird an einem mobilen Taufständer. Die auf der Südempore platzierte Orgel stammt aus der Göttinger Werkstatt Ott. Heute sind die hinteren seitlichen Bankreihen durch Tische und Stühle für das Kirchencafé ersetzt. Für die Gusssteinreliefs in der Fassade wählte der Freinsheimer Bildhauer Franz Lind (1900-1967), der auch die Wasserspeier gestaltete, zehn Motive aus dem Lukasevangelium.

  • Von der Idee zum Bau

    Ludwigshafen | Lukaskirche | Außenbau | Foto: Michaela Kalusok/Jürgen Wiener

    Das starke Anwachsen der damaligen Kirchengemeinde Ludwigshafen Mitte/Süd auf 12.000 Gemeindemitglieder (heute sind es noch etwa 4.500) war dem Zuzug von Arbeitskräften in die durch BASF geprägte Industriestadt geschuldet. In der Folge begann man bereits 1956/57 mit ersten Planungen für eine neue Kirche, um die 1949 erbaute Melanchthonkirche zu entlasten. Den 1957 ausgelobten Wettbewerb gewann der Trierer Architekt Otto Heinrich Vogel, der die neue Kirche in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Erwin Morlock errichtete. Bereits 1960 wurde die Lukaskirchengemeinde aus einer Teilung der Kirchengemeinde Mitte/Süd heraus neu gegründet. Am 12. Oktober 1958 war Baubeginn, im Frühjahr 1959 die Grundsteinlegung und am 15. Januar 1961 schließlich die Einweihung der Lukaskirche durch Oberkirchenrat Richard Bergmann und Dekan Theo Seifert. Der im Nordwesten angrenzende Kindergarten entstand als eigenständiger Bau 1962.

  • Der Architekt Heinrich Otto Vogel

    Münster | Lukaskirche | Foto: Hobusch, CC BY SA 4.0

    Otto Heinrich Vogel wurde am 20. Mai 1898 in Darmstadt geboren. Von 1915 bis 1918 studierte er bei Arthur Wienkoop Architektur an der Hessischen Landesbauschule in Darmstadt. Im Anschluss war er bis 1930 als Bautechniker und Architekt der Ilse-Bergbau AG im Siedlungsbau in den Braunkohlegebieten der Niederlausitz beschäftigt. Von 1930 bis 1935 arbeitete er als freier Architekt in Senftenberg in der Niederlausitz. In Trier leitete er von 1935 bis 1945 als Stadtbaumeister das Hochbauamt und wurde 1938 zum Baurat ernannt. Vogel war maßgeblich an der Ausgestaltung der dortigen, von den Nationalsozialisten geplanten “via archaeologica” beteiligt.

    Seit 1945 wirkte Vogel als freischaffender Architekt in Trier und leitete dabei u. a. die Wiederherstellung historischer Gebäude wie der Konstantinbasilika (Evangelische Kirche zum Erlöser). Folgerichtig war er lebhaft daran interessiert, alte Bausubstanz in einen neuen baulichen Zusammenhang einzubinden. Ein Anliegen, dass sich auch in der Lukaskirche (1961) in Ludwigshafen widerspiegelt, die historische Stilzitate mit modernen Formen und Materialien verbindet. Vogels Werk umfasst insgesamt eine Vielzahl protestantischer, gelegentlich auch katholischer Kirchen, die in den 1960er und 1970er Jahren bundesweit in den expandierenden Neubausiedlungen entstanden. Am 15. September 1994 starb Vogel in Darmstadt im Alter von 96 Jahren.

  • Literatur (Auswahl)
    • Festschrift 1960-2015. 55 Jahre Protestantische Kirchengemeinde Ludwigshafen Süd, hg. von der Protestantischen Kirchengemeinde Ludwigshafen Süd, Ludwigshafen 2016.
    • Kai Kappel: Memento 1945?, Kirchenbau aus Kriegsruinen und Trümmersteinen, München und Berlin 2008.
    • Claudia Maas: Das Werk des Architekten Heinrich Otto Vogel, Saarbrücken 1993.
    • Heinrich Otto Vogel, die Lukaskirche in Ludwigshafen, in: Der Turmhahn 5, 1961, 1, 2-5.
    • Heinrich Otto Vogel. *1898. Baumeister in Zeiten des Umbruchs, Katalog, hg. vom Bischöflichen Generalvikariat Trier, Trier 1990.
    • Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt, sie werden beim Klick auf das jeweilige Bild sichtbar.
Text: Dr. Michaela Kalusok, Düsseldorf

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