Merzig

St. Josef

Anschrift Kirche
An der Josefskirche 1
66663 Merzig
  • Informationen
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    Anschrift Pfarramt Katholisches Pfarramt St. Josef
    An der Josefskirche 1
    66663 Merzig
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    Öffnungszeiten Pfarramt DI, DO: 9.00 - 11.00, 14.00 - 16.00 Uhr
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    Kirchen im Südwesten

“Mehr als eine Uhrmacherarbeit”

Die Handwerker hatten ihre liebe Not mit St. Josef. Da gab es zum Beispiel das Problem mit dem Kirchenboden: Mosaik bot sich an, doch wie sollte man die mathematisch kaum zu erfassende Fläche, die mehr einem Ei als einer Ellipse gleicht, mit rechteckigen Plättchen füllen? Alle geometrischen Lösungen hätten bedeutet, 9.000 Mosaiksteinchen einzeln zuzuschneiden. “Mehr als eine Uhrmacherarbeit”, wie es hieß. So entschied man sich letztlich für eine unmathematische, eine “wilde” Legung der Plättchen. Was die Schreinerkollegen wohl darüber gedacht haben? Schließlich mussten sie jede Bank, selbst jeden Sakristeischrank in einem anderen Radius arbeiten, um der komplizierten Rundung des Gebäudes zu folgen.

  • Überblick
    Ort
    Merzig

    Bistum
    Bistum Trier

    Name der Kirche
    St. Josef

    Weihe
    1959 (18. November)

    Architekt
    Hermann Baur
    Besonderheit
    St. Josef bildet zusammen mit der nahezu im Original erhaltenen Ausstattung, den gärtnerischen Außenanlagen sowie dem angrenzenden Pfarrzentrum ein beeindruckendes Gesamtensemble.

    Nutzung
    Pfarrkirche der Pfarrei St. Josef innerhalb der Pfarreiengemeinschaft Merzig St. Peter

    Standort / Städtebau
    Die Kirche befindet sich abseits vom Stadtzentrum im Norden von Merzig in einem von Wohnbauten geprägten Umfeld.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Merzig | St. Josef | Grundriss

    Die Pfarrkirche St. Josef besitzt einen annähernd elliptischen Grundriss. Sie ist Teil einer umfriedeten Anlage, an die sich seitlich auch das niedrig gehaltene, U-förmige Pfarrzentrum mit Innenhof anschließt. Vor den beiden Eingängen der Kirche erstreckt sich ein kleiner Vorplatz, den man entweder durch den freistehenden Glockenturm oder eine Rampe betreten kann. Von hier aus lässt sich die Kirche auch auf einem schmalen Weg umrunden.

    Außenbau


    Merzig | St. Josef | Außenbau | Foto: Manuel Uder

    Die Bruchsteinmauer, die den gesamten Kirchenbezirk umschließt, sowie die Außenanlage, die üppig mit Ziersträuchern und Bäumen bepflanzt ist, bilden einen reizvollen Kontrast zu den Industriematerialien des Kirchenbaus: Das Äußere von St. Josef wird von einem flachen kupfergedeckten Kegeldach mit Laterne beherrscht, das auf einem Kranz von mehreren winkelartigen Sichtbetonbügeln ruht. Da diese die Schublasten aufnehmen, sind große Teile der Außenwände in Glasflächen aufgelöst und erlauben einen Blick ins Innere.

    Innenraum


    Merzig | St. Josef | Innenraum | Foto: Alex Korting

    Betritt man St. Josef durch eines der beiden Hauptportale, besticht zunächst der Gegensatz zwischen der auf schlanken Stützen ruhenden Sichtbetonkuppel und den nahezu vollständig verglasten Außenwänden. Durch Letztere scheint die Grenze zum begrünten Außenbereich förmlich aufgehoben zu sein. Licht fällt aber auch durch die Laterne der Kuppel, die den Altarraum besonders auszeichnet.


  • Liturgie und Raum

    Merzig | St. Josef | Altarraum | Foto: Manuel Uder

    Auf einer imaginären Längsachse sind alle wichtigen liturgischen Orte aufgereiht: Diese beginnt bereits im Außenbereich im Vorhof, wo sich ein Steinquader mit der Inschrift “lumen Christi” (Licht Christi) befindet, auf dem in der Osternacht das Feuer entzündet wird. Der österliche Weg führt im Inneren weiter, zunächst zum Taufstein und anschließend zum erhöhten Altarbereich, um den sich die Gemeinde als Volk Gottes fast halbkreisförmig versammeln kann. Auch wenn der Tabernakel zur Erbauungszeit 1959 noch auf dem Altar stand (heute ist er in die dahinterliegende Wand eingelassen), war dieser bereits damals vom Priester ganz umschreitbar. Damit wurden die gesamtkirchlichen Entwicklungen der Folgejahre bereits vorweggenommen.

  • Ausstattung

    Merzig | St. Josef | Tabernakel | Foto: Manuel Uder

    Die großflächige Malerei an der Altarwand (1958/59) ist ein Werk des Schweizer Künstlers Ferdinand Gehr (1896-1996). Sie zeigt die “Kirche des Jenseits”, die Seligen des Himmels, wie sie in der Offenbarung des Johannes (Offb 4-5) beschrieben sind: zwölf Männer und zwölf Frauen, die mit weißen Kleidern angetan sind und Christus, dem Lamm Gottes, huldigen. Sie vervollständigen den Kreis derjenigen, die sich bei der Eucharistiefeier um den Altar versammeln. Ebenfalls von Gehr stammt das Antlitz Christi in der Laternenkuppel. Eine starke Farbigkeit zeichnet alle Figuren aus, die auf diese Weise Freude ausstrahlen, aber auch mit den liturgischen Gewändern des Priesters in Beziehung treten sollen. Tabernakel, Taufstein, Kommunionschranken, Altar- sowie Apostelleuchter (alles Werke der Erbauungszeit) stammen ebenso wie die späteren Bronzearbeiten im Altarraum (Altarkreuz, Ambo und Lesepult des Vorstehers) vom Trierer Kunstschmied Klaus Apel. Weitere bemerkenswerte Stücke aus späterer Zeit sind der Bronzekreuzweg (Karl Ludwig, München, 1976) und der Osterkerzenleuchter (Firma Dischler, Freiburg, 1976). 1965 erhielt St. Josef die Orgel, ein Werk der Firma Alfred Führer, die auf einem Betonunterbau hinter dem Altar steht.

  • Von der Idee zum Bau

    Merzig | St. Josef | Modell | Bildquelle: Festschrift 1959

    Als die Einwohnerzahlen von Merzig nach dem Ersten Weltkrieg stark anstiegen, wurde die Gründung einer zweiten Pfarrei notwendig. Allerdings wurde St. Josef erst 1932 von der Mutterpfarrei St. Peter (mit der größten erhaltenen romanischen Kirche im Saarland) abgetrennt. Damals umfasste die neue Gemeinde zum größten Teil “minderleistungsfähige Katholiken” (Festschrift 1959, 7), sodass an einen repräsentativen Neubau noch nicht zu denken war. Doch bereits seit 1928 war eine einfache Notkirche nutzbar. Weitere Pläne machte der Zweite Weltkrieg zunichte.

    Als 1956 ausreichend finanzielle Mittel vorhanden waren, bat der Kirchenvorstand drei Architekten um Ideenentwürfe für einen Neubau: den berühmten Kirchenbaumeister Rudolf Schwarz (1897-1961), den Saarbrücker Architekten Albert Dietz (1920-73) und Hermann Baur aus Basel. Letzterer hatte bereits 1952/53 die Kirche im nahe gelegenen Weiskirchen-Thailen verwirklicht. Alle drei Baumeister legten Pläne vor – der Kirchenvorstand entschied sich für einen der beiden Entwürfe, die Baur eingereicht hatte: “Er schien die Anforderungen, die wir heute, nach fünfzig Jahren liturgischer Erneuerung, an eine Kirche in städtebaulicher Hinsicht, an eine Wallfahrtskirche und vor allem an einen sakralen Raum für das liturgische Gemeindeleben stellen, am vollkommensten zu erfüllen.” (Festschrift 1959, 15)

    Der erste Spatenstich für St. Josef erfolgte am 30. März 1958 durch den damaligen Generalvikar Dr. Weins. Am 8. Juli 1958 legte Weihbischof Dr. Stein den Grundstein, der sich noch heute zwischen den beiden Hauptportalen an der Außenwand befindet. Geweiht wurde die Kirche am 18. November 1959.

  • Der Architekt Hermann Baur

    Merzig | St. Josef | Grundstein | Foto: Manuel Uder

    Hermann Baur wurde am 25. August 1894 in Basel geboren. 1910 absolvierte er bei Rudolf Linder eine Ausbildung als Hochbauzeichner. Neben seiner Mitarbeit an Wohnungsbauprojekten beschäftigte sich Baur als Verwalter der Bürobibliothek intensiv mit Architekturströmungen wie dem “Neuen Bauen”, mit dem Werk von Frank Lloyd Wright, Otto Wagner, Peter Behrens oder Walter Gropius. Entscheidend war zudem seine Weiterbildung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich bei den Architekturprofessoren Hans Bernoulli und Karl Moser. Anschließend war Baur bei Auguste Meyer im elsässischen Mulhouse tätig, um dann später 1927 in Basel ein eigenes Büro zu eröffnen. Hermann Baur starb am 20. Dezember 1980 in Binningen bei Basel.

    Mit öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern prägte Baur besonders das Stadtbild Basels. Seine Pfarrkirche St. Josef in Merzig reiht sich ein in über 30 Sakralbauten in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich. Auch in Merzig war es Baur ein Anliegen, künstlerisches Schaffen eng mit der baulichen Aufgabe zu verbinden. Unablässig suchte er nach einer harmonischen Verbindung von Natur, Architektur, Plastik und Malerei. In der nahegelegenen Stadt Konz, am Zusammenfluss von Saar und Mosel, findet sich mit der Pfarrkirche St. Nikolaus (1961) eine vergleichbare Zeltdachkonstruktion Baurs. Auch sie ist an landschaftlich herausgehobener Stelle in einen “Heiligen Bezirk” aus Beton und Grünanlagen eingebunden.

  • Literatur (Auswahl)
    • Alfred Diwersy/Heribert Schreiner (Hg.): Merzig. Bild einer Stadt an der Saar, Merzig 1971, Foto 63-64.
    • Hermann Baur. Architektur und Planung in Zeiten des Umbruchs. Eine Ausstellung im Architekturmuseum Basel vom 27. August bis 30. Oktober 1994, Basel 1994, 149.
    • Dorothee Messmer/Katja Herlach: Ferdinand Gehr. Die öffentlichen Aufträge [Ausst. Kat. Kunstmuseum Olten], Zürich 2016, 70-77.
    • Bastian Müller: Architektur der Nachkriegszeit im Saarland (Denkmalpflege im Saarland 4), Saarbrücken 2011, 124.
    • St. Josef Merzig-Saar. Festschrift anläßlich der Benediktion der katholischen Pfarrkirche St. Josef in Merzig-Saar, am Mittwoch, 18. November 1959, dem Kirchweihfest der Peterskirche und der Paulskirche in Rom, Merzig 1959.
    • Alois Thomas/Ulrich Craemer: Neue Bauten im Bistum Trier (Monographien des Bauwesens 17), Stuttgart 1961, 51-52.
    • Matthias Thömmes: Orgeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Trier 1981, 151.
    • Wir danken Alex Korting für die Erlaubnis, seine Bilder hier zeigen zu dürfen.
Text: Manuel Uder M. A., Trier

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