Meschede

Abteikirche "Christus, König des Friedens"

Anschrift Kirche
Klosterberg
59872 Meschede
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche Zur Webseite
    MO - SA: 5.00 - 21.00 Uhr
    SO: 6.15 - 21.00 Uhr
    Anschrift Pfarramt Abtei Königsmünster
    Klosterberg 11
    59872 Meschede
    0291 2995-0
    E-Mail
    Zur Webseite
    Öffnungszeiten Pfarramt MO - FR: 7.30 - 12.30, 13.00 - 17.00, 19.00 - 20.00, 20.45 - 21.00 Uhr
    SA: 7.30 - 12.30, 13.00 - 13.30, 14.30 - 17.30, 19.00 - 20.00, 20.45 - 21.00 Uhr
    SO: 7.30 - 11.30, 12.00 - 12.30, 14.30 - 17.30, 18.40 - 20.00, 20.45 - 21.00 Uhr

    Gottesdienstzeiten Kirche SO: 6.45, 9.30, 11.45, 17.45, 20.15 Uhr
    MO - FR: 5.30, 6.45, 12.45, 17.45, 20.15 (freitags bereits um 19.45 Uhr)
    SA: 5.30, 6.45, 12.45, 17.00 (nicht am 1. Samstag im Monat), 18.30, 20.15 Uhr
    Kirchen im Westen

Eine Zigarettenschachtel für den Herrn

Irgendwann hat Hans Schilling eine Zigarettenschachtel auf den Tisch gelegt und gesagt: “So, das ist der Altar und da stellen wir alles andre drumherum!” Der intensive Austausch zwischen Bauherrn und Architekten bezüglich der liturgischen Gestalt der neuen Klosterkirche war auf den Punkt gebracht. Der junge gelernte Bauzeichner war wenig zuvor mit einem vielbeachteten Kirchenbau in Köln in Erscheinung getreten. Er, glühender Anhänger der liturgischen Reform, hatte Jahre vor dem Konzil einen nachkonziliaren Kirchenbau entworfen. Chapeau! Und nun sollte er eine Mönchsgemeinschaft aus ihrem seit Äonen angestammten Platz im Presbyterium raus in den Laienraum setzen und gleichzeitig einen symbolträchtigen traditionellen Bau schaffen. Ob das wohl ging?

  • Überblick
    Ort
    Meschede

    Bistum
    Erzbistum Paderborn

    Name der Kirche
    Abteikirche "Christus, König des Friedens"

    Weihe
    1964 (1. September)

    Architekt
    Hans Schilling
    Besonderheit
    Die Konzeption der Kirche für die Konzelebration und die Messfeier versus populum stammt aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Der Mönchschor befindet sich entgegen der Tradition nicht im Presbyterium, sondern in gemeinsamer Ausrichtung mit der Feiergemeinde im Hauptsaal der Kirche.

    Nutzung
    Abteikirche für die Mönchs- und Laienliturgie

    Standort / Städtebau
    Der hoch aufragende Baukörper auf einer Anhöhe nordwestlich des Mescheder Zentrums ist bewusst als Landmarke gestaltet.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Meschede | Abteikirche | Grundriss

    Die Abteikirche ist ein Bau über fünfseitigem Grund mit parabelhaftem Presbyterium (Altar- und Zelebrationsraum). Zwei fünfseitige Winkeltürme daran antworten dieser Grundgestalt. Die dem Presbyterium gegenüberliegende Winkelmauer mit ausgespartem Hauptportal ist zur Öffnung seitlicher Zugänge nach innen versetzt. In das der Portalfront vorgelagerte Paradies (Vorhof mit überdachten Stützengängen) führen ein mittlerer Treppenaufgang und zwei seitliche Winkeltreppen. Außen schließt sich an das Presbyterium auf Grundlage eines Achtecks (Zeichen der Verwandlung des Menschen und der Ewigkeit) der Klosterfriedhof an. Der Altar der Kirche steht insofern mitten zwischen den lebenden und den die Auferstehung erwartenden Mitgliedern der Gemeinschaft.

    Außenbau


    Meschede | Abteikirche | Außenbau | Foto: Friedhelm Dröge, CC BY SA 4.0

    Der Außenbau beeindruckt durch seine gewaltige, wie aus einzelnen Wandscheiben zusammengeschobene Gestalt. Schiffsbugartig schiebt sich der backsteinverkleidete Bau mit seiner 23 Meter hohen, weitgehend achsensymmetrischen Eingangsfront dem Besucher entgegen. Die schillingtypisch an den Mauerecken miteinander verzahnten Backsteine sowie die in der “Mittelnaht” und in den Wänden der Portalfront ausgesparten Fenster perforieren das sonst ungegliederte Fassadenhaupt. Durch die wie lose vorgestellten seitlichen Wandscheiben und durch den trichterförmigen Podiumszugang geht von dem monumentalen Bau dennoch eine einladende Wirkung aus, die den Besucher gerne ins Paradies – Zone zwischen Welt und Ecclesia – treten lässt.

    Innenraum


    Meschede | Abteikirche | Innenraum | Foto: Archiv Klais, 2016

    Im Innern zieht das parabelhaft auslaufende Presbyterium alle Aufmerksamkeit auf sich. Alles in diesem gewaltigen Saal ist auf den Altar und das Mysterium der Wandlung ausgerichtet: die auf den absoluten Punkt im Apsisrund zulaufenden Wände, die sich zum Altarpodium hin absenkende und überm Presbyterium wieder ansteigende hölzerne Fischgrätendecke, der ihr in geringerer Neigung und Steigung antwortende Fußboden, die im Drittel- und Halbkreis auf den Altar ausgerichteten Bänke.


  • Liturgie und Raum

    Meschede | Abteikirche | Orgelweihe 2016 | Foto: Archiv Klais

    Grundlage für die liturgische Gestalt der Kirche ist die “Hinwendung der Gemeinschaft des Volkes Gottes auf den Altar und den Ort der Verkündigung” (Hans Schilling). Damit gibt Christkönig bildhaft den Weg des Gottesvolkes auf das Eschaton hin, aufs endzeitliche Ziel der Gottesherrschaft wieder. Wichtige Stationen sind das Hauptportal mit den Darstellungen vom kommenden Gottesreich (Ernst Suberg), das in Anlehnung an die frühchristlichen Cruces Gemmatae (Edelsteinkreuze als Bild der Himmelsstadt) gestaltete Triumphkreuz sowie der Abtssitz mit der Ikone des Allherrschers und die auf die sieben Gemeinden der Geheimen Offenbarung hinweisenden Leuchter an der Apsiswand.

    Der Mönchschor befindet sich entgegen der Tradition nicht innerhalb des Presbyteriums, sondern, von einer niedrigen Chorschranke umgrenzt, im Gemeinderaum. Die Mönchsgemeinschaft ist damit gleichrangiger, nicht privilegierter Teil des Gottesvolks. (Hans Schilling) Noch vor der Konstitution über die Heilige Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde die Christkönigkirche für die Messfeier versus populum konzipiert. Sie ermöglichte zudem von Anbeginn die Konzelebration. Dies war bis dato auf Priester- und Bischofsweihen beschränkt.

  • Ausstattung

    Meschede | Abteikirche | Altarraum | Foto: Wolfgang Poguntke, GFDL oder CC BY SA 3.0-1.0

    Die Hülle des Kirchenraums lebt von den bauzeitlichen Glasmalereien ausgewählter Künstler. Die an der Wandquaderung und an den wie ausgestanzt wirkenden Fenstern orientierten Scheiben der Seiten- und Rückwände stammen von Hubert Spierling. In den 14 Meter hohen, perlschnurartigen Fensterbändern über den Eingängen thematisierte Billa Krüger-Mogk die Schöpfung. Rechts des Altares erinnert ein 12 Meter hohes Fenster von August Pigulla an die Aussendung des Geistes im Pfingstgeschehen. Ein Flammenzeichen der Offenbarung ist auch der Ambo: Um die verzahnte backsteinerne Brüstungsmauer krallt sich das bronzene Schlinggewächs des brennenden Dornbuschs.

    Das Triumphkreuz (Ernst Suberg) besteht in einer eigentümlichen Mischung aus Crux Gemmata und Kruzifix (Darstellung des Gekreuzigten). In die Krone der Christusgestalt arbeitete Ludwig Riffelmacher Münzen und Gemmen von abrahamitischer Zeit bis in die Gegenwart sowie einen Meteoritensplitter ein – Christus ist König aller Zeiten und Welten! Weitere Fenster von Harold Van de Perre befinden sich in der Marienkapelle im Untergeschoss des linken Turms und von Franz Pauli in der in voller Höhe des rechten Turms (32,5 Meter) geöffneten Sakraments- und in der Beichtkapelle. Im Herbst 2016 wurde die neue Orgel (Klais, Bonn) eingeweiht, die ein Vorgängerinstrument aus dem Jahr 1968 ersetzt. Beide Instrumente wurden im Turm oberhalb der Marienkapelle platziert, zum Altar- und Gemeinderaum führen von dort Klangöffnungen. Deren neue Metallgitter-Verkleidungen wurden in der örtlichen Klosterschmiede gefertigt.

  • Von der Idee zum Bau

    Meschede | Abteikirche Christkönig | Haus der Stille | Foto: Wolfgang Poguntke, GFDL oder CC BY SA 3.0-1.0

    Die Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede wurde 1928 gegründet. Damalige Klosterbaupläne von Franz Schneider blieben weitgehend unrealisiert. Erst der im Dezember 1961 begonnene Kirchenbau von Hans Schilling setzte den jahrzehntelangen liturgischen Provisorien ein Ende. Das theologische Konzept für die Kirche stammt von Abt Theodor Bogler OSB aus Maria Laach. Sie wurde am 1. September 1964, also am 25. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, als “Friedenskirche in einer Welt, die nicht zum Frieden kommen kann” (Jahresbericht 1958) geweiht. Die üblicherweise auf die zwölf Apostel benannten, hier aber aus Jerusalem, Dachau, Rom oder Coventry stammenden Salbsteine im Innern merken dies an. Im Jahre 2001 eröffnete der Konvent das Gästehaus “Haus der Stille” von Peter Kulka (* 1937). Der vorderseitig fensterlose Sichtbetonbau bietet seinen Gästen Sichtschutz und rückseitig freien Ausblick in die Landschaft. Kulka hatte 20 Jahre zuvor mit Hans Schilling das Jugendgästehaus “Oase” der Abtei gestaltet.

  • Der Architekt Hans Schilling

    Hans Schilling (1921-2009) hatte 1957-59 mit Neu St. Alban in Köln zum ersten Mal eine Kirche mit parabelähnlichem Presbyterium über fünfseitigem Grund gebaut. Sechs Jahre vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums war diese Pfarrkirche als quasi experimenteller Raum für die Messfeier versus populum entwickelt worden. Neu St. Alban war damit einer der einflussreichsten Sakralbauten der Nachkriegsmoderne. Architekt Schilling selbst fand in jener Grundgestalt und in der Kubatur des Albanbaus (schiffsbugartige Stirnfront, sich zwischen Altar- und Gemeinderaum absenkende Dachflächen etc.) den Prototyp für eine Reihe weiterer Kirchen. Die Mescheder Abteikirche gleicht dem Albansbau auch sehr in der symbolhaften Struktur “Volk Gottes auf dem Weg”.

  • Literatur (Auswahl)

    • Rudolf Bernhard: Die Klosterkirche in Meschede von Architekt H. Schilling. Liturgie und Bauform, in: Das Münster, 3-4, 1965, 100-105.
    • Rudolf Bernhard: Kirchenbauten von Hans Schilling, Stationen eines künstlerischen Weges, in: Das Münster, 4, 1971, 205ff.
    • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II, Westfalen, Berlin/München 2011, 654 f.
    • Yorck Förster: Abtei Königsmünster in Meschede, Bad Homburg 2009.
    • Winfried Kämpfer OSB und J. A. P. Slominski: Königsmünster, Recklinghausen 1965.
    • Hans Schilling. Architektur 1945-2000, Köln 2001, 47-63.
    • Christoph Steppich OSB: Königsmünster. Die Abteikirche, Paderborn 3. Auflage 2004.
    • Bericht zur Orgelweihe 2016, auf: orgelbau.klais [www.orgelbau-klais.com/m.php?sid=303, Abruf: 26. Januar 2017].

Text: Markus Juraschek-Eckstein M. A., Bergisch Gladbach

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