München-Isarvorstadt

Herz Jesu

Anschrift Kirche
Buttermelcherstraße 10
80469 München
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche Geöffnet ab:
    MO - FR: 6.00 Uhr
    SA: 9.00 Uhr
    SO, Feiertage: 7.00 Uhr

    Geschlossen ab:
    immer nach der Vesper
    MO, DI, DO: 19.25 Uhr (in Ferienzeite n um 17.55 Uhr)
    FR, SA: 17.25 Uhr
    SO, Feiertage: 17.35 Uhr
    Anschrift Pfarramt Katholisches Stadtpfarramt Heilig Geist
    Prälat - Miller - Weg 3
    80331 München
    089 24216890
    E-Mail
    Zur Webseite
    Öffnungszeiten Pfarramt MO - DO: 10.00 - 12.00 Uhr

    Adresse des Klosters:
    Herz-Jesu-Kloster München
    Schwestern vom Göttlichen Erlöser
    (Niederbronner Schwestern)
    Buttermelcherstraße 10
    80469 München
    Gottesdienstzeiten Kirche Laudes:
    MO - FR: 6.00 Uhr
    SO, Feiertage: 7.20 Uhr

    Hl. Messe an Werktagen (nicht Feiertagen):
    MO - FR: 6.20 Uhr

    Vesper:
    MO, DI, DO: 19:.00Uhr (in Ferienzeiten um 17:30 Uhr)
    FR, SA: 17.00 Uhr
    SO, Feiertage: 17.15 Uhr
    (ausgenommen bei besonderen Gottesdiensten im Dom „Zu Unserer Lieben Frau“ wie an Weihnachten, Silvester, Epiphanie, Österliches Triduum, Pfingsten, Gottesdienst der Nationen am letzten Sonntag im September; Gemeinsame Vesper von Ordensleuten in St Michael zu Adventsbeginn, Gottesdienst zum Tag des geweihten Lebens am 02. Februar im Dom)

    Gebetsstunde in Verbindung mit der Vesper am 1. Freitag des Monats um 16.30 Uhr (außer dieses Datum fällt auf einen Feiertag)
    Kirchen im Süden

“Claritas” im “Klösterl”

Es sollte die erste ausgeführte Kirche des Architekten Alexander von Branca werden: Mit seinem Berufskollegen Herbert Groethuysen errichtete er im Stadtzentrum Münchens von 1953 bis 1955 ein modernes Kloster. Die vierflügelige Anlage, liebevoll “Klösterl” genannt, umfasste Kirche, Klosterräume, Mädchenwohnheim, Wirtschaftsgebäude, Kindergarten, Mädchenhort und eine Handarbeitsschule. Die dreischiffige tonnengewölbte Hallenkirche wurde als Stahlbetonskelettbau mit Trümmerziegel-Ausfachungen verwirklicht. Über dem Altar verleiht ein Oberlicht der betonsichtigen Chorwand unerwartete Helligkeit und Klarheit.

  • Überblick
    Ort
    München-Isarvorstadt

    Bistum
    Erzbistum München und Freising

    Name der Kirche
    Herz Jesu

    Weihe
    1955 (5. Juni)

    Architekten
    Alexander von Branca, Herbert Groethuysen
    Besonderheit
    Die 1955 geweihte Klosterkirche, die Alexander von Branca gemeinsam mit Herbert Groethuysen entwarf, sollte den ersten umgesetzten Sakralbau im Werk von Brancas bilden.

    Nutzung
    Klosterkirche der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern)

    Standort / Städtebau
    Das Kloster liegt im Münchener Stadtzentrum, in der Isarvorstadt, nahe dem Gärtnerplatz an der Buttermelcherstraße. In der geschlossenen Bebauung aus viergeschossigen Mietshäusern mit heute geglätteten Häuserfronten wurde auf der Südseite das Ordenshaus mit der zurückliegenden Klosterkirche errichtet.

  • Beschreibung

    Grundriss


    München-Isarvorstadt | Herz Jesu | Grundriss | Foto: Architekturmuseum der TU München

    Der annähernd quadratische Grundriss der dreischiffigen Kirche besteht aus vier Travéen mit je einem verkürzten Joch an der Eingangs- und Chorwand. Erschlossen wird der Gottesdienstraum über den vorgelagerten Gang des Mädchenwohnheims, den Straßenzugang und die Sakristei im Turm. Je sieben Stahlbetonpfeiler tragen die Längswände. Die Seitenschiffe, zusammen so breit wie das Mittelschiff, werden ebenso von je sieben Pfeilern abgeschieden.

    Außenbau


    München-Isarvorstadt | Herz Jesu | Außenbau | Foto: Heinz Theuerkauf

    Mittig im Straßenzug gelegen, ordnet sich die mit Trümmersteinen ausgefachte Stahlbetonkonstruktion der Kirche höhenmäßig nicht unter: Während die Rasterfassade des Wohnheims dominant erscheint, wird der Turm – ein offener Glockenträger aus zwei Mauerscheiben – zur Straße hin nicht sichtbar. Wie ein L fügen sich die Klausur, der Turm und die Kirche (besonders der Chor mit beidseitig ausgeschiedenem Schwesternchorraum und dreieckiger Sakristei im Turm-Erdgeschoss). Die Kirche ist so hoch wie breit, die Außenwände zeigen sich mittels einer Betonbalkenkonstruktion horizontal gegliedert. Im Außenbild zeichnen sich die kupfergedeckten Kappen der bekrönenden Schalenkonstruktion deutlich ab.

    Innenraum


    München-Isarvorstadt | Herz Jesu | Innenraum | Foto: Heinz Theuerkauf

    Je sieben hellgrau gefasste Stahlbetonpfeiler gliedern die Seitenwände. Das Hauptschiff wird zu beiden Seiten wieder mit je sieben Freipfeilern abgeteilt, die immer auf der Höhe der Wandpfeiler stehen. Die Plätze der Schwestern, sie sitzen erhöht links und rechts des Altars, formen im Chorraum ein kreuzförmiges Nutzungsschema. Zwei Wandscheiben und je eine Chorschranke trennen den Chorraum ab, die ersten Nebenschiff-Achsen werden damit zum Querschiff. Die hier seitlichen Bankreihen bilden quer zum Hauptraum orientierte Raumabschnitte. Die Ziegelgefache der Seitenschiffe sind geschlämmt, während die Chor-Stirnwand in Sichtbeton mit horizontaler Schalung ausgeführt wurde. Wie eine Baldachinarchitektur wirkt die betonsichtige Decke, die als Abschluss der vier Travéen den Raum überwölbt. Sie wird über dem Altar durchbrochen von einem Oberlicht (mit acht gebogenen Lamellen als Spannbetonunterzügen). Weitere Belichtung erfolgt über die zum Hof im Sockelgeschoß geöffnete Lamellenwand, zusätzlich mit einem klarverglasten Thermenfenster auf der Westseite. Die Krypta verfügt direkt unter den Chorschranken über eine schmale Glasfuge.


  • Liturgie und Raum

    München-Isarvorstadt | Herz Jesu | Tabernakel | Foto: Thomas van Nies

    Noch Jahre vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) wurde der – direkt belichtete und nur leicht erhöhte – Chorraum für eine gemeindezugewandte Messfeier (versus populum) vorbereitet: Der Hauptaltar wurde als freistehender Basaltblock ausgeführt, während das Tabernakel davon abgesetzt an der Chor-Stirnwand auf dem Sakramentsaltar zu finden ist. Der Schwesternchor im erhöhten Chorjoch ist vom Langhaus her nicht einsehbar, die Wände sind hier ganz geschlossen, niedrige Chorgitter schranken den Bereich ab. Es sind Kommunionbänke zur Gemeinde hin vorhanden, die in zwei Blöcken frontal zum Altar sitzt. Der Mittelweg aus dem Langhaus zum Altar führt in einer gedachten Verlängerung auf das Tabernakel auf dem Sakramentsaltar an der Chorwand. Hier trägt der Mosaiktondo des Künstlers Karl Knappe mittig ein Mosaikkreuz mit leicht unterlebensgroßem Corpus.

  • Ausstattung

    München-Isarvorstadt | Herz Jesu | Altarkreuz | Foto: Thomas van Nies

    Auch bei Herz Jesu suchte von Branca, für die Ausstattung regionale Künstler (häufig aus dem Umfeld der TU München) einzubinden und gemeinschaftlich ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Das Chormosaik wurde vom Bildhauer Karl Knappe geschaffen. Karl Reidel und Fritz Koenig formten den Hauptaltar, während Tabernakel und Sakramentsaltar von Heinrich Kirchner stammen. Der Bildhauer Blasius Gerg gestaltete die Chorschranken, drei Weihwasserbecken sowie die Bronzebeschläge der Nord- und West-Portale. Die Kunstschmiedearbeiten, das Eingangsgitter der Pforte, die Abgänge zur Krypta und die Gitter unter der Empore wurden von Herbert Altmann, die Leuchter und das Altarkreuz von Johannes Dumanski gefertigt. Die Empore trägt eine eine Rieger-Orgel aus der Bauzeit.

     

  • Von der Idee zum Bau

    München-Isarvorstadt | Herz Jesu | Außenbau nach 1953 | Foto: Sigrid Neubert, Architekturmuseum der TU München

    Die heutige Herz-Jesu-Kirche ersetzt einen 1869 von Michael Reifenstuel d. J. gestalteten Vorgängerbau, der im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer fiel. 1953 gewann die Architektengemeinschaft von Branca/Groethuysen den engeren Wettbewerb für das neue Kloster. Beteiligt waren elf Büros, darunter Hans Döllgast, Siegfried Oesterreicher, Erik Braun und Ernst Maria Lang. Im Preisgericht saßen u. a. Sep Ruf und Werner Wirsing. Der Grundstein für die moderne Herz-Jesu-Kirche wurde am 16. August 1953 gelegt, die Weihe am 5. Juni 1955 gefeiert. 1999 erhielt das Kloster den Status eines Kulturdenkmals.

  • Die Architekten Alexander von Branca und Herbert Groethuysen

    Alexander Freiherr von Branca, geboren am 11. Januar 1919 in München, studierte von 1946 bis 1950 Architektur an der TU München (u. a. bei Hans Döllgast) und an der ETH Zürich. Bis Mitte 1956 arbeitete er in Bürogemeinschaft mit seinem Berufskollegen Herbert Groethuysen, geboren am 19. August 1921, der sein Studium ebenfalls an der TU München absolviert hatte. Zusammen verwirklichten Groethuysen und von Branca auch die Münchener Herzogspitalkirche der Servitinnen (1954/55).

    München | U-Bahnstation Marienplatz | Foto: FloSch, GFDL oder CC BY SA 3.0

    Das Motiv der Lamellenkonstruktion im Oberlicht von Herz Jesu findet sich ebenso in St. Borromäus in München-Forstenried, die Groethuysen 1964 gestaltete. Auch von Branca, zeitlebens mit Groethuysen befreundet, hinterließ prägende Spuren im Kirchenbau: von St. Matthias (1965) in München bis zum Priesterseminar St. Hieronymus (1986) in Augsburg. Darüber hinaus schuf er prominente Profanbauten wie die Neue Pinakothek (1981) in München sowie U-Bahnstationen in Bonn und München. Alexander von Branca starb am 21. März 2011 im oberbayerischen Miesbach im Alter von 92 Jahren.

  • Literatur (Auswahl)
    • Karin Blum: Alexander von Branca. Architektur für Bauherren, Wolznach 2003.
    • Alexander von Branca/Enno Burmeister (Hg.): Alexander Freiherr von Branca : Ausstellung in der Fachhochschule München Fachbereich Architektur vom 15. November bis 15. Dezember 1979, München 1979.
    • Joachim Delagera: Neuer Kirchenbau in der Erzdiözese München und Freising seit Kriegsende. 1948-1964, München 1965.
    • Helmut Friedel: Kirchenbauten in München 1950-1970, in: Norbert Lieb/Jürgen Sauermost (Hg.): Münchens Kirchen. Mit einem chronologischen Verzeichnis der bestehenden Kirchenbauten, München 1973.
    • Michael Hartig/Hugo Schnell (Hg.): München. Stadt und Katholische Kirchen, München 1960.
    • Birgit-Verena Karnapp: Kirchen. München und Umgebung nach 1945, Berlin, München 1996.
    • Manfred Lochbrunner: Herz-Jesu-Klosterkirche München (ars opus Kunstführer), 2. Auflage, München 2014.
    • Günther Rombold: Drei Neue Kirchen in München, in: Das Münster 9/10, 1956, 328-343.
    • Alexander Rotter: 150 Jahre 1867-2017. Herz-Jesu-Kloster München. Festschrift herausgegeben vom Herz-Jesu-Kloster München, München 2017.
    • Gabriele Schickel: Abschied von der Wegkirche. Süddeutscher Kirchenbau nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Wolfgang Jean Stock (Hg.): Europäischer Kirchenbau 1950-2000, München 2002.
    • Tino Walz: Der Architekt Alexander von Branca, Katalog, Chesa Planta Zuoz Sommer 1996 (Schriftenreihe Chesa Planta Zuoz 3), Polling 1996.
    • Quellen: Bauakten des EOM, Erzbischöfliches Ordinariat München; Privatnachlass Alexander Freiherr von Branca, Miesbach.
    • Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt, sie werden beim Klick auf das jeweilige Bild sichtbar.
Text: Thomas van Nies M. A., Köln

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