Neuried

St. Nikolaus

Anschrift Kirche
Maxhofweg 7
82061 Neuried
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche ca. 8.00 - ca. 18.00 Uhr
    Anschrift Pfarramt St. Nikolaus
    Maxhofweg 7
    82061 Neuried
    089 7558033
    E-Mail
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    Öffnungszeiten Pfarramt MO, DO: 8.00 - 12.00, 16.00 - 18.00 Uhr
    DI, FR: 8.00 - 12.00 Uhr
    Gottesdienstzeiten Kirche SO: 10.00 Uhr
    DI, FR: 8.30 Uhr
    MI, SA: 18.00 Uhr

    Kirchen im Süden

Kraftvoll mit sinnlicher Anmutung

St. Nikolaus in Neuried bei München besticht durch seine emotionale Gestaltqualität und Raumstimmung. Ganz wesentlich tragen dazu die gekonnte Materialverwendung und die wirkungsvolle Lichtführung bei. Die verschiedenen Funktionen (Kirche, Pfarr- und Jugendheim, Pfarrhaus und Wohnungen) werden in einer kompakten, skulpturalen, vom Gottesdienstraum dominierten Gesamtform zusammengefasst, die sich gut gegen die umgebende vielgestaltige Wohnbebauung behaupten kann. Dabei beeindruckt die Fassade aus Torfbrandklinkern durch ein lebhaftes Licht- und Schattenspiel. Im Gegensatz dazu wirkt das Innere programmatisch zurückgenommen, geprägt von einer spannungsvollen Abfolge gut proportionierter Räume.

  • Überblick
    Ort
    Neuried

    Bistum
    Erzbistum München und Freising

    Name der Kirche
    St. Nikolaus

    Weihe
    2008 (19. Oktober)

    Architekt
    Andreas Meck
    Besonderheit
    Mit dem gekonnten Einsatz von Licht und Materialien erzeugt Andreas Meck einerseits große Ruhe, andererseits eine starke Wirkung auf den Besucher: "Meine Architektur ist unaufgeregt und liegt eher außerhalb der gängigen Moden."

    Nutzung
    Katholische Pfarrkirche mit Gemeindezentrum und Wohnung

    Standort / Städtebau
    Das südwestlich von München gelegene Pfarrzentrum ist umgeben von einer vielgestaltigen Wohnbebauung. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Umgehungsstraße, im südöstlichen Ortskern der Gemeinde Neuried.

  • Beschreibung

    Grundriss


    Neuried | St. Nikolaus | Grundriss

    Um einen zentralen Innenhof gruppieren sich der Andachtsraum sowie die verschiedenen Einrichtungen der Pfarrgemeinde auf einem längsrechteckigen Grundriss. An der südwestlichen Gebäudeseite befindet sich ein breit gelagertes Portal, durch das man den Innenhof betritt. Vom Hof, in dessen Mitte zwei Bäume gepflanzt sind, erschließen sich die verschiedenen Gebäudetrakte – vergleichbar einem mittelalterlichen Kreuzgang. Der Kirchenraum an der Südostseite ist das sinnstiftende und geistige Zentrum der Anlage. Ein zweiter schmaler Durchgang führt zur Rückseite des Gebäudes.

    Außenbau


    Neuried | St. Nikolaus | Außenbau | Foto: Michael Heinrich

    Das Pfarrzentrum tritt als einheitlicher Baukörper auf, der sich aus unterschiedlichen Quadern zusammensetzt. Es befindet sich südöstlich des Ortskerns, inmitten einer vielgliedrigen Wohnbebauung. Vor dem Pfarrzentrum steht weithin sichtbar ein sphärisches Kreuz aus Cortenstahl, das zugleich die letzte Station eines Kreuzwegs bilden soll, der den Neubau mit der alten Dorfkirche verbinden wird. Der zunächst kompakt wirkende Neubau zeigt auf den zweiten Blick ein abwechslungsreiches Spiel von Licht und Schatten: Die mit dunklen, unregelmäßig gebrannten Torfbrandklinkern verkleidete Wandfläche lässt die Fassade plastisch erscheinen. Das Bauwerk wird von einer Stahlbetonkonstruktion getragen. Beim Durschreiten des Portals sieht man den gestockten und warmtonig eingefärbten Beton, in den Kiesel des Neurieder Bodens eingearbeitet sind.

    Innenraum


    Neuried | St. Nikolaus | Innenraum | Foto: Florian Holzherr

    Der gestockte Beton des Innenhofs leitet über zum weiß gekalkten Kirchenraum. Die innere Raumhülle ist wie ein in den Baukörper eingestelltes “weißes Gefäß” (Andreas Meck) aufgefasst, dessen geneigten Wand- und Deckenflächen eine klare, helle und ruhige Formensprache zeigen. Durch die zwei großen “Lichtkanonen” – die Öffnungen über dem Altarraum und der Sakristei – gelangt mittels transluzenter Folie nur diffuses Tageslicht, das die Raumgrenzen scheinbar verschwinden lässt. Lediglich zum verbindenden Innenhof hin weist ein ebenerdiges Fensterband, das zugleich den Blick nach außen freigibt. Darüber ist die Empore mit der Orgel angesiedelt. An der Nordostseite führt ein Durchgang zur Sakristei und zum angrenzenden Pfarrhaus.


  • Liturgie und Raum

    Neuried | St. Nikolaus | Innenhof | Foto: Michael Heinrich

    Der Besucher betritt die Kirche vom Hof aus und muss dabei eine große Fuge überschreiten. Damit wird der Übergang von außen nach innen zu einem bewussten Wechsel vom profanen zum sakralen Raum. Die Anordnung der liturgischen Orte ist vom Communio-Gedanken geprägt: Die Altarinsel wird als liturgische Raummitte von drei Seiten durch die Kirchenbänke umfangen. Letztere fügen sich gemeinsam mit den ebenfalls aus Eichenholz gefertigten Dielen zurückhaltend in das Gesamtbild ein. Bis auf den Tabernakel sind die weißen Wände von zusätzlichen Elementen vollständig frei gehalten. Die Lautsprecheranlage ist in die Kirchenbänke ebenso “unsichtbar” einbezogen wie die Lampen in die Tageslichtöffnungen. Altar und Ambo wachsen aus dem tieferliegenden Fundament der Kirche empor und bilden zusammen mit dem Tau-Kreuz das inhaltliche wie geometrische Raumzentrum. An verschiedenen Stellen scheint die Altarinsel aufgrund der erhöhten Bodenplatte regelrecht zu schweben.

  • Ausstattung

    Neuried | St. Nikolaus | Innenraum | Foto: Florian Holzherr

    Alle Einbaumöbel bis hin zum angelagerten Beichtstuhl wurden vom Architekten Andreas Meck entworfen. Die aus Beton gestaltete Altarinsel mit Ambo und Vorstehersitz stammt vom Künstler Rudolf Bott, ebenso wie das Taufbecken, der Tabernakel und das Tau-Kreuz – alle aus demselben Material (Sichtbeton) geschaffen. Der Tabernakel – als einziges Element an der weißen Wandfläche – wird zu einer schwebenden Kugel, die an einem Betonkeil aus der Wand herauskommt. Die runden Eisenkugeln begegnen uns im Taufbecken wieder, jedoch als deren Negativform. Das Tau-Kreuz, ein T-förmiges Kreuz, wurde ganz bewusst im geometrischen Mittelpunkt des Raums errichtet. Die Orgel stammt aus der Marburger Werkstatt Gerald Woehl. Das einzige Gemälde in der Kirche ist ein fotografisches Marienbildnis vom Künstler Roland Fischer in einer Wandnische. Es greift in zeitgenössischer Form eine Arbeit von Lucas Cranach d. Ä. von 1508 auf, die sich in einer Nachbildung aus dem 18. Jahrhundert in der Dorfkirche von Neuried befindet.

  • Von der Idee zum Bau

    Neuried | St. Nikolaus | historische Dorfkirche | Foto: G. Freihalter, CC BY SA 3.0

    Durch die stete Zunahme an Gemeindemitgliedern war die bestehende Dorfkirche zu klein geworden. Letztere sollte jedoch als prägendes Zeichen erhalten und daher der Neubau ohne Kirchturm geplant werden. Der Auftrag ging – als Kompensation für einen ersten Preis beim Ökumenischen Kirchenzentrum München-Riem – an das Büro meck architekten. 2002 erfolgte zunächst eine städtebauliche Untersuchung. Diese ergab, dass das ursprüngliche Grundstück für ein kompaktes Kirchenzentrum zu groß war. So konnte die Finanzierung für das neue Projekt ermöglicht werden, indem fast die Hälfte des Grundstücks verkauft wurde. Bauherr war die Katholische Kirchenstiftung St. Nikolaus, vertreten durch die Erzdiözese München-Freising. Der Grundstein wurde im Mai 2006 gelegt, am 19. Oktober 2008 weihte Erzbischof Reinhard Marx die neue Kirche. 2009 wurde das Pfarrzentrum mit der Errichtung des großen Cortenstahl-Kreuzes, ebenfalls entworfen von Andreas Meck, fertiggestellt.

  • Der Architekt Andreas Meck

    Neuried | St. Nikolaus | Innenraum | Foto: Florian Holzherr

    Mit dem parallel umgesetzten Dominikuszentrum in München-Nordheide ist St. Nikolaus in Neuried der Startschuss für eine Reihe weiterer renommierter Sakralbauten des Architekten Andreas Meck. Seine Bauwerke zeichnen sich durch eine vermeintlich einfache Architektur aus, die von einem subtilen Zusammenspiel aus Proportion, Licht, Material und Farbe geprägt wird: “Meine Architektur ist unaufgeregt und liegt eher außerhalb der gängigen Moden.” 1959 in München geboren, studierte Andreas Meck von 1979 bis 1985 an der TU München Architektur und ging im Anschluss an die AA London. Nach seiner Rückkehr war er als Assistent von Prof. Manfred Korvatsch an der Akademie der Bildenden Künste tätig. Bereits während seiner Assistenzzeit gründete er 1989 sein eigenes Architekturbüro. Meck wurde für seine Arbeit mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und gewann zahlreiche Wettbewerbe. Er lehrte als Professor für Entwerfen und Baukonstruktion an der Hochschule in München. Am 20. August 2019 ist Andreas Meck im Alter von 59 Jahren verstorben.

  • Literatur (Auswahl)
    • Andreas Gabriel: Pfarrzentrum in Neuried, in: Detail 4, 2010, 316-321.
    • Uwe Hinkfoth: Harte Hülle, expressiver Kern. Zeitgenössischer Kirchenbau in Deutschland, in: archithese 2, 2009.
    • Peter B. Steiner: Kirche aus lebendigen Steinen, in: Christ in der Gegenwart 2009, 1, 10-11.
    • Wolfgang Jean Stock: Klingende Räume. Zwei neue Kirchenbauten von Andreas Meck in München, in: kunst und kirche 2009, 4, 51-53.
    • Walter Zahner: Katholisches Pfarrzentrum St. Nikolaus, in: Angelika Nollert/Matthias Volkenandt/Rut-Armia Gollan/Eckhard Frick (Hg.): Kirchbauten in der Gegenwart. Architektur zwischen Sakralität und sozialer Wirklichkeit, Regensburg 2011, 126-127.
    • Internetpräsenz von meck architekten: www.meck-architekten.de.
    • Wir danken für die freundliche Genehmigung, die Bilder dieser beiden Fotografen verwenden zu dürfen: Michael Heinrich und Florian Holzherr.
Text: Zara Tiefert-Reckermann M. A., Waldshut-Tiengen

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