Velbert-Neviges

Maria, Königin des Friedens

Anschrift Kirche
Elberfelder Straße 12
42553 Velbert
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche 02053 9318-0
    täglich 9.00 - 17.00 Uhr
    Die Emporen sind nur am Sonntag geöffnet.
    Anschrift Pfarramt Wallfahrtsbüro
    Elberfelder Str. 12
    42553 Velbert
    02053 9318-0
    E-Mail
    Zur Webseite
    Öffnungszeiten Pfarramt MO: 9.00 - 11.00 Uhr
    DI: 9.00 - 11.00 Uhr + 15.00 - 17.00 Uhr
    DO: 10.00 - 12.00 Uhr + 17.00 - 18.00 Uhr
    FR: 9.00 - 11.00 Uhr + 14.00 - 15.00 Uhr

    Gottesdienstzeiten Kirche Die Gottesdienstzeiten können online abgerufen werden unter: www.mariendom.de/gottesdienst/
    Kirchen im Westen

Forum unter Felsen

Der Architekt Gottfried Böhm ist auf sympathische Weise ein rhetorischer Tiefstapler. Zu seiner kurz “Mariendom” genannten Wallfahrtskirche bemerkte er, es handle sich hier nur um eine Anpassung an die Landschaft des Bergischen Landes. Schon der Blick des Laien aber bemerkt, dass es nicht die umgebenden grünen Hügel, sondern eher Eisberge oder Himalayagipfel gewesen sein müssten, die dieser Architektur Pate standen. Hellgrau, fast weiß schiebt sich das den Ort überragende Bauwerk, gezackt und zerklüftet wie ein roher Fels, über den Boden. Unwillkürlich kommt einem die Einsicht, dass man ein bedeutendes, im Wortsinne: bemerkenswertes Bauwerk vor sich habe. Und tatsächlich! Der Mariendom in Neviges gehört zu den international wichtigsten Sakralbauten nach 1950.

  • Überblick
    Ort
    Velbert-Neviges

    Bistum
    Erzbistum Köln

    Name der Kirche
    Maria, Königin des Friedens

    Weihe
    1968 (22. Mai)

    Architekt
    Gottfried Böhm

    Künstler
    Gottfried Böhm
    Besonderheit
    Der wie eine umbaute Piazza gestaltete Raum bietet sich als eine Stätte der öffentlichen Versammlung und des Gebets an. Die Kirche ist eine der gewagtesten Betonfaltenkonstruktionen der Moderne.

    Nutzung
    Wallfahrtskirche

    Standort / Städtebau
    Die Kirche befindet sich am oberen Rand der Ortschaft Neviges innerhalb eines über einen Wallfahrtsweg zu erreichenden heiligen Bezirkes.

  • Beschreibung

    Grundriss

    Velbert-Neviges | Maria, Königin des Friedens | Grundriss

    Der Grundriss der Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens, zeigt einen in kantigen Außenwänden gestalteten Raum. Die sich in weiter Kurve vom Eingang zum Altar hin öffnende und rechts die Emporen unterfangende Folge von Stützen gibt dem am ehesten „ellipsoid“ zu nennenden Raum eine Richtung. Nischenartige und durch den Wandverlauf eingeschnürte Raumausbuchtungen definieren die Gnaden- und die Sakramentskapelle.

    Außenbau

    Velbert-Neviges | Maria, Königin des Friedens | Foto: © Architektur-Bildarchiv / Thomas Robbin
    Der ebenso kantige Außenbau erscheint wie ein aus Kuben und Pyramiden ineinandergeschobener architektonischer Körper. Lediglich ein metallenes „Gipfelkreuz“ gibt ihn als Kirche zu erkennen. In unregelmäßiger Folge angesetzte Gauben beleben die karge Dachlandschaft. Das Gebäude gibt keinen Aufschluss über den Raumaufbau im Innern. Der Zugang zur Kirche erfolgt über einen im Halbkreis an Kindergarten, ehemaligem Schwesternwohnheim und Pilgerhaus geführten Wallfahrtsweg.

    Innenraum

    Velbert-Neviges | Maria, Königin des Friedens | Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0

    Wahres Maß und Idee zeigt die Kirche erst im Innern. Sie bietet 6.000 Menschen Platz und ist damit nach dem Dom die größte Kirche im Erzbistum Köln. Das Grau des Sichtbetonbauwerkes wird durch die – wie fast immer bei Böhm – pointiert gesetzten, starkfarbigen Fenster akzentuiert. Die Kanzel ist Teil der Architektur: integriert in die baumartig aufstrebende (einzige) Freistütze des Raums. Über drei Geschosse erhebt sich wie eine Häuserfassade die Wallfahrerempore. Der Innenraum wirkt wie eine Piazza, wie ein in ein Gebäude hineinverlegter öffentlicher Versammlungsplatz. Das ist gewollt. Und der Eindruck wird durch das nach antikem Vorbild muschelförmig verlegte Straßenpflaster auf dem Boden verstärkt. Leider wurden die ursprünglich an Straßenlaternen orientierten Beleuchtungskörper im Innern vor einigen Jahren durch serielle Strahler ausgetauscht.

    Velbert-Neviges | Maria, Königin des Friedens | Foto: © Achim Bednorz / Bildarchiv Monheim GmbH

    Bei näherem Hinsehen erweist sich die bis 34 Meter hohe Betonfaltendecke als strukturiert. Sie bildet eine spiralförmig in sich gedrehte kantige Zeltkuppel, mit Zenit über dem Schnittpunkt von Altar und versammelter Schar der Gläubigen.

  • Liturgie und Raum

    Velbert-Neviges | Maria, Königin des Friedens | Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0

    Die Planungsphase der Kirche fiel in die Zeit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums. Erst in den entwickelten Plänen sah Böhm die Altarstellung für die Messfeier versus populum vor. Die Integration der Kanzel in die freistehende Stütze betont die Stellung des Wortes im Gottesdienst. Die einheitliche Wirkung des Feierraums und vor allem sein Charakter als umhauster Versammlungsplatz stellt die Verbundenheit der feiernden Gemeinde in den Vordergrund.

    Die durch den kantigen Wandverlauf ausgliederte Gnadenkapelle und die Sakramentskapelle sowie weitere Votivstätten bieten auch bei größerem Pilgerzulauf ausreichende Möglichkeiten für die individuelle Andacht. Diesem Zweck dienen auch die Gebets- und Andachtsnischen in der vom Hauptraum aus frei zugänglichen Unterkirche. Hier kann der Gläubige auch das Sakrament der Buße empfangen. Die ehemals für den wallfahrtsbetreuenden Franziskanerkonvent eingerichtete Chorkrypta dient heute der Liturgiefeier kleinerer Pilgergruppen und der stillen Anbetung.

  • Ausstattung

    Velbert-Neviges | Maria, Königin des Friedens | Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0

    Wie so oft hat Gottfried Böhm die Gestaltung der Kirchenfenster selbst übernommen. Die meist in kräftigem Rot, Blau oder Grün gehaltenen Werke befassen sich in abstrahierender und symbolischer Gestalt mit marianischen Themen, so das Rosen- und das Heilig-Geist-Fenster in der Sakramentskapelle. Eine ganz eigene Bildkomposition schuf Böhm für die Marienkapelle: Aus der Blüte eines Rosenstocks (das ist Maria aus der Wurzel Jesse) bricht ein Fisch (griechisch ICHTHYS für I-ésus CH-rístos TH-eoú HY-iós S-otér – Jesus der Gesalbte, Gottes Sohn, Retter) hervor. In der Marienkapelle wird das circa 350 Jahre alte Mariengnadenbild – ein kleiner Kupferstich mit Darstellung der frei von der Erbschuld empfangenen Maria (Immaculata) – bewahrt.

    Für die Gestaltung der das Gnadenbild bergenden Mariensäule sowie des Altares und des sieben Meter hohen Sakramentshauses hatte Böhm den Kölner Bildhauer Elmar Hillebrand gewinnen können.

    In der Unterkirche befinden sich einige ältere Arbeiten aus Holz: eine Anna Selbdritt (Dreigenerationenbild mit Anna, Maria und Jesus) und eine Pietà des 18. Jahrhunderts. Die Ausmalung der Unterkirche besorgte Markus Böhm, ein Sohn des Architekten.

  • Von der Idee zum Bau

    Die Nevigeser Wallfahrt wurde im Jahre 1680 der Stiftung des Mariengnadenbildes durch den Franziskanerpater Antonius Schirley begründet. Die enorme Popularität der im Sinne der katholischen Gegenreform eingerichteten Wallfahrt ließ bereits Anfang des 20. Jahrhunderts an einen neuen Kirchenbau denken; die barocke Kloster- und bisherige Wallfahrtskirche St. Mariä Empfängnis vor Ort sollte entlastet werden.

    Der heutige Mariendom ging schließlich aus einem 1963/64 veranstalteten Wettbewerb hervor. Ausschreiber des Wettbewerbs und Geldgeber für den Bau war das Erzbistum Köln. Böhms Entwurf war zwar bei der Jury durchgefallen, da er sich nicht an Wettbewerbsvorgaben gehalten hatte. Kölns Erzbischof Josef Kardinal Frings hatte aber interveniert und den als „manieristisch“ und „künstlich“ angesehenen Entwurf persönlich durchgesetzt. Frings hatte eine Architektur gewünscht, die innerhalb eines vornehmlich protestantischen Umfeldes „Bild und Zeichen einer Wallfahrtskirche“ sein konnte.

  • Der Architekt Gottfried Böhm

    Gottfried Böhm (geb. 1920) wurde, wie 30 Jahre zuvor sein Vater Dominikus mit der St. Engelbertkirche in Köln, durch den Bau des Mariendomes schlagartig weltberühmt. In beiden Fällen wurden bereits die Rohbauten international diskutiert. Der Mariendom und das zeitgleich entstandene Rathaus in Bensberg gehören zu Gottfried Böhms reifsten Sichtbeton-Bauten. Beide Bauwerke waren Grundlage für die Verleihung des international renommierten Pritzker-Architekturpreises an ihn. Der religiös motivierte Architekt ist vom Sinn der liturgischen Reform, und damit von der Forderung nach Gemeinschaft, Mitwirkung und Transparenz im Gottesdienst, tief überzeugt. Die Qualität des umbauten, öffentlichen Stadtraums, wie im Mariendom gegeben, kennzeichnet viele seiner Kirchen und profanen Bauten.

  • Literatur (Auswahl)
    • Veronika Darius: Der Architekt Gottfried Böhm. Bauten der sechziger Jahre, Düsseldorf 1988, 55-70.
    • Erzbistum Köln (Hg.): Neue Kirchen im Erzbistum Köln 1955-1995, Köln 1995, Bd. I, 634f. und 870 – 873.
    • Gerhard Haun: Mariendom Neviges, Lindenberg, 5. Auflage 2006.
    • Karl Kiem: Vielschichtiger Betonfelsen. Die Wallfahrtskirche in Neviges, in: Wolfgang Voigt (Hg.): Gottfried Böhm (= Ausst.-Kat. Frankfurt am Main 2006), Berlin 2006, 60-79.

     

    Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt, sie werden beim Klick auf das jeweilige Bild sichtbar.

Text: Markus Juraschek-Eckstein M.A., Bergisch Gladbach (Beitrag online seit 07/2015)

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