Würzburg

St. Alfons

Anschrift Kirche
Matthias-Ehrenfried-Straße 2
97074 Würzburg
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche Zur Webseite
    MO - SA: 8.00 - 19.00 Uhr
    SO: 9.00 - 19.00 Uhr
    Anschrift Pfarramt Katholisches Pfarramt St. Alfons
    Matthias-Ehrenfried-Straße 2
    97074 Würzburg
    0931 7965633
    E-Mail
    Zur Webseite
    Öffnungszeiten Pfarramt MO, FR: 8.30 - 11.30 Uhr
    MI: 17.00 - 19.00
    Gottesdienstzeiten Kirche SO: im Wechsel mit St. Nikolaus 9.00 Uhr ODER 10.30 Uhr
    DI, DO: 8.00 Uhr
    Die aktuellen Gottesdienstzeiten sind online einsehbar unter: www.pg-alfons-nikolaus.de/aktuell/.
    Kirchen im Süden

Glühende Vision

Mitte der 1950er Jahre war dieser Kirchenbau ein wahrer Stein des Anstoßes: Ein “Marsmenschengemälde”, so hieß es von ihrem Altarbild, das gleichermaßen Widerspruch und Zustimmung erntete. Andere meinten, eine Reihe von “Schinken” auf der Altarwand zu erkennen. Außen, an der bescheidenen Frontseite der Kirche, spürt man noch nichts von der Urgewalt, die diesen Widerspruch wachgerufen hatte. Erst innen wird der Blick durch die aufsteigende Decke des Kirchenraumes nach oben gelenkt, und das Licht fällt ganz auf dieses Bild von der himmlischen Liturgie und der Anbetung des Lammes in der Ewigkeit Gottes.

  • Überblick
    Ort
    Würzburg

    Bistum
    Bistum Würzburg

    Name der Kirche
    St. Alfons

    Weihe
    1954 (7. November)

    Architekt
    Hans Schädel

    Künstler
    Julius Bausenwein, HAP Grieshaber, Georg Meistermann, Helmut Weber
    Besonderheit
    St. Alfons verfügt über ein ausdrucksstarkes Wandgemälde Georg Meistermanns von monumentalen Ausmaßen (10 x 20 m), das durch eine gezielte Lichtführung und den zum Altar hin ansteigenden Raum betont wird.

    Nutzung
    Pfarrkirche und Klosterkirche der Redemptoristengemeinschaft

    Standort / Städtebau
    Die Kloster- und Pfarrkirche St. Alfons steht weithin sichtbar auf dem Würzburger Neuberg am Rand der Wohnsiedlung "Gartenstadt Keesburg".

  • Beschreibung

    Grundriss

    Die Kloster- und Pfarrkirche St. Alfons orientiert sich in ihrem trapezförmigen Grundriss an Vorbildern wie der Berliner Gustav-Adolf-Kirche von Otto Bartning (1932). Wie dort bereits, so steigt auch in St. Alfons der Kirchenraum zum Altar hin an. Die Trapezform erinnert jedoch im Fall der Kirche von St. Alfons weit weniger an ein Kreissegment als das bei der Gustav-Adolf-Kirche in Berlin der Fall ist. In St. Alfons bleibt der Eindruck einer von West nach Ost gerichteten Wegkirche, der ein Campanile zur Seite gestellt ist, der dominante Eindruck. Und doch wird die gesamte Gottesdienstgemeinde durch den Ansatz des Trapezes um den Altar versammelt und auf ihn hin ausgerichtet.

     

    Außenbau

    Würzburg | St. Alfons | Außenbau | Foto: Kunstreferat der Diözese Würzburg

    Nördlich der Kirche befindet sich ein 38 Meter hoher freistehender Glockenturm. Der Außenbau der Kirche selbst präsentiert sich von seiner Eingangsseite her unauffällig und schlicht. Den einzigen Schmuck der westlichen Eingangsseite bilden vier pfeilerartige Mauerstücke, die paarweise die drei Bronzetüren in ihrer Mitte flankieren. Die Ostseite des Altarraums jedoch ragt weithin sichtbar empor. Auf diese Weise wird der gesamte Kirchenbau zu einem einzigen Fingerzeig zum Himmel. Folgerichtig befindet sich auch auf dem Dach der Umriss eines Christuskorpus am Kreuz. Christus wird also dargestellt als der, der “nicht hier” ist (vgl. Mt 28,6), als der Auferstandene und der zum Himmel erhöhte Herr.

     

    Innenraum

    Würzburg | St. Alfons | Innenraum | Foto: Kunstreferat der Diözese Würzburg

    In ihrem Inneren eröffnet sich die Kirche dem Betrachter als ein einschiffiger Raum. Dennoch weist dieses einheitliche Schiff in seinem Deckenbereich eine Unterteilung auf, die an das klassische dreischiffige Schema einer spätantiken Basilika denken lässt. Diese Unterteilung wird vor alle im Bereich der Orgelempore sichtbar. Der Altarraum setzt sich vom Kirchenschiff durch eine deutlich geringere Breite ab. Rechts und links vom Altarraum fällt durch verglaste Wände viel Licht auf die zentralen Funktionsorte des Gottesdienstes und auf das monumentale Altarbild, das die himmlische Liturgie gemäß der Schilderung in der Offenbarung des Johannes darstellt.

  • Liturgie und Raum

    Würzburg | St. Alfons | Taufstein | Foto: Kunstreferat der Diözese Würzburg

    Unmittelbar nach dem Eintreten fällt der Blick sofort auf den massiven dreieckigen Taufstein mit drei Vertiefungen an den Ecken, die als Weihwasserbecken dienen. So kann sich der eintretende Angehörige der Pfarrgemeinde am selben Ort, wo er die Taufe empfangen hat, auch durch das Kreuzzeichen mit Weihwasser an seine eigene Taufe erinnern. Der Altarraum umfasste bis zur Umgestaltung im Jahr 1963 exakt den Raum, der von den hohen Seitenfenstern und der Altarwand gebildet wird. Eine Kommunionbank trennte den Altarbereich vom Kirchenschiff. An der linken Seite des Altarraums befand sich ein massiver Ambo aus schwarzem Stein und rechts gegenüberliegend ein Seitenaltar mit dem Tabernakel.

    Der Hauptaltar selbst war bis 1963 mit der Wand des Altarraums verbunden. Dieser Altar dient heute als Tabernakelaltar. Seit 1977 befindet sich der Hauptaltar auf einer neu errichteten Altarinsel, die nun etwas ins Kirchenschiff hineinragt. Links und rechts hinter dem heutigen Hauptaltar wurden der Ambo und die Sedilien für den Hauptzelebranten und seine Assistenz positioniert. Die drei zentralen Funktionsorte von Altar, Ambo und Sedilien ergeben ein Dreieck, dessen Spitze der Altar bildet, der auf diese Weise stärker in die Mitte der liturgischen Versammlung hineingerückt wurde.

  • Ausstattung

    Die heutige Anordnung von Volksaltar, Sedilien und Ambo erarbeitete der Würzburger Künstler Helmut Weber (1924 – 2012). Alle drei liturgischen Funktionsorte wurden von dem Künstler in Bronze angefertigt. Die in Feldern angeordneten Sterngebilde, die bei der Gestaltung der liturgischen Orte im Altarraum verwendet wurden, bilden eine Brücke zum Thema des Altarbilds. Dieses monumentale Altarbild stammt aus der Hand von Georg Meistermann (1911-90). Sein unterer Bildteil steht mit seiner Darstellung des Erdballs und den eucharistischen Motiven für die Eucharistie hier auf Erden. Der mittlere Teil stellt die Anbetung des Lammes Gottes dar, wie sie die Offenbarung des Johannes schildert (Offb 4,1-5,1.6-9). Im oberen Bildteil stehen die Engel des Jüngsten Gerichtes im Mittelpunkt. Im Zentrum aber ist Jesus Christus als das Lamm Gottes. Ihm gilt die Anbetung, ob hier auf der Erde oder in der himmlischen Liturgie.

    Würzburg | St. Alfons | Kreuzwegtafel | Foto: Kunstreferat der Diözese Würzburg

    Georg Meistermann, der Künstler des Altarbilds, entwarf auch den Taufstein der Kirche. Seine Abdeckung gibt eine mehrfach bei Meistermann verwendete Chiffre wieder: In Ihr verbindet der Künstler die Symbole Kreuz, Auge und Taube zu einer die heilige Dreifaltigkeit darstellenden Dreiecksstruktur. Die Symbolik des Taufsteins weist also darauf hin, dass die christliche Taufe auf den Namen des dreifaltigen Gottes erfolgt. Auf der linken Seitenwand wurde bereits 1955 die plastische Darstellung des Gekreuzigten von Julius Bausenwein angebracht. Dort und an der gegenüberliegenden Wand befindet sich seit 1994 ein Zyklus von HAP Grieshaber, den er als “Kreuzweg der Versöhnung” gestaltet hat.

  • Von der Idee zum Bau

    Würzburg | St. Alfons | Außenbau | Foto: Pfarrgemeinschaft St. Alfons und St. Nikolaus Würzburg

    Auf dem Würzburger Neuberg wurde ab 1927 mit besonderer staatlicher Förderung eine neue Wohnsiedlung errichtet. Die Gründung einer Kirchengemeinde für die dortigen Katholiken erfolgte im Jahr 1951. Mit der neuen Pfarrei verbunden, entstand dort eine Niederlassung des Redemptoristenordens. Der Ordenspatron der Gemeinschaft war nun auch der Pfarrpatron: St. Alfons Maria von Liguori.

    Noch im Jahr der Gründung der Gemeinde wurde ein Architekturwettbewerb für den Bau einer Kirche ausgeschrieben. Die eingereichten Vorschläge konnten jedoch bei der zuständigen Kommission keine Zustimmung finden. So kamen zusätzlich zu den Vorschlägen des Wettbewerbs auch noch zwei Entwürfe Hans Schädels zur Diskussion. Einen weiteren und letzten Entwurf legte Schädel im Jahr 1953 vor. Dieser wurde am 1. Juli 1953 genehmigt, so dass mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Am 7. November 1954 weihte der Bauherr der Kirche selbst, Bischof Julius Döpfner, schließlich das Bauwerk.

  • Der Architekt Hans Schädel

    Geboren wurde Schädel am 14. Februar 1910. Nach Abschluss der Ausbildung stand er erst lange im Dienst der Stadt Würzburg, bis er schließlich Bauamtsleiter der Diözese Würzburg wurde. Wie kein anderer wirkte Hans Schädel hier prägend für den Kirchenbau der Nachkriegszeit. Mit der ansteigenden Raumhöhe und der besonderen Lichtführung bildet der Bau von St. Alfons ein Zeichen des Neuaufbruchs im Kirchenbau Schädels, wie er namentlich von Bischof Julius Döpfner gefördert wurde. Freundschaftlich verbunden war Schädel auch mit dem Künstler Georg Meistermann. In einem Brief vom 30. Oktober 1954 schreibt Schädel an ihn: “Du wirst Dich freuen, Dein Bild steht wie eine kostbare glühende Vision im Raum und beherrscht denselben.” Hans Schädel verstarb am 31. Dezember 1996.

  • Literatur (Auswahl)
    • Jürgen Emmert: Kath. Pfarrkirche St. Alfons Würzburg, Lindenberg 1998.
    • Christiane Lange: Zum Werk von Hans Schädel. Ein Beitrag zum Kirchenbau der fünfziger Jahre in Deutschland, Weimar 1995.
    • Jürgen Lenssen: Aufbruch im Kirchenbau. Die Kirchen von Hans Schädel, Würzburg 1989.
    • Franz Lutz: St. Alfons Würzburg, Münsterschwarzach 1956.
    • Claus Pese (Hg.): Georg Meistermann. Werke und Dokumente, Nürnberg/Klagenfurt 1981.

     

    Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt, sie werden beim Klick auf das jeweilige Bild sichtbar.

Text: P. Dr. Jürgen Riegel SAC, Trier (online seit 01/2016)

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