Düsseldorf-Düsseltal

Matthäikirche

Anschrift Kirche
Lindemannstraße 70
40237 Düsseldorf-Düsseltal
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche Besichtigung nach Vereinbarung möglich.
    Anschrift Pfarramt Gemeindebüro Emmaus
    Schumannstr. 89, Erdgeschoss
    40237 Düsseldorf-Düsseltal
    0211 991900-0
    E-Mail
    Zur Webseite
    Öffnungszeiten Pfarramt MO, DI und FR: 10.00 - 12.00 Uhr
    DO: 14.00 - 17.30 Uhr
    Gottesdienstzeiten Kirche Aktuelle Gottesdienstzeiten und Veranstaltungshinweise finden Sie online unter: www.emmaus-duesseldorf.de/gottesdienste-matthäikirche.
    Kirchen im Westen

Im Geist einer schlichten edlen Sachlichkeit …

… wollten ihre Erbauer die Matthäikirche errichten, um „in neuer Sprache modernen Menschen das alte Evangelium zu sagen“. Mutig war das 1930/31 inmitten der Weltwirtschaftskrise, so mutig, dass der Vorsitzende des Presbyteriums bei der Eröffnung am 12. Juli 1931 zweifelte, ob man heute, kaum ein Jahr nach der Grundsteinlegung, solchen Mut noch einmal fände. Mutig war es auch ästhetisch: als erste rheinische Kirche in Stahlskelettkonstruktion, reduziert in Schmuck und Baugliederung, dafür kostbar und elegant in Details und Materialien. Mutig aber vor allem als Statement christlicher Verkündigung inmitten von politischem Chaos. Gemeinschaft im Glauben zu stiften, sollte ihr Zweck sein und ist es bis heute: ein großartig schlichter Betraum im Innern – und außen an allen markanten Stellen beschriftet mit Bibelworten der Einladung an ihre Umwelt.

  • Überblick
    Ort
    Düsseldorf-Düsseltal

    Landeskirche
    Evangelische Kirche im Rheinland 


    Name der Kirche
    Matthäikirche

    Einweihung
    1931 (12. Juli)

    Architekten
    Heinrich Roßkotten, Karl Wach

    Künstler
    Arno Breker, Erich Kuhn, Thomas Kesseler
    Besonderheit
    Die Düsseldorfer Matthäikirche gilt als monumentalster und teuerster Vertreter der Neuen Sachlichkeit im Kirchenbau.

    Nutzung
    Pfarrkirche

    Standort / Städtebau
    An einer der großen Durchgangsstraßen Düsseldorfs gelegen, stellt die Matthäikirche eine doppelte Verbindung her: zum einen – mit ihrem monumentalen Baukörper – zu den umgebenden repräsentativen Gebäuden der Jahrhundertwende, zum anderen – durch das verwendete Baumaterial und ihre Annexbauten – zur kleinteiligen Blockrand-Wohnbebauung der Seitenstraßen.

  • Beschreibung

    Grundriss

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Grundriss

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Grundriss

    Die Düsseldorfer Matthäikirche wurde als längsrechteckiger asymmetrischer Saalbau mit monumentaler Apsis konzipiert, die auf der Nordseite über ein niedrigeres Seitenschiff mit eingezogener Empore verfügt. Westlich sind eine Vorhalle sowie ein querrechteckiger Turm vorgelagert.

     

     

    Außenbau

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Foto: Florian Monheim

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Foto: Florian Monheim

    In Düsseltal, einem traditionell groß- und bildungsbürgerlich geprägten Stadtteil, als markanter städtebaulicher Bezugspunkt an der Straßenkreuzung Lindemann- und Schumannstraße gelegen, beherrscht der monumentale Sakralbau mit seinem 40 Meter hohen Turm das Quartier. Der klare Baukörper besteht aus einer Stahlskelettkonstruktion mit dunkelrotem Klinkermauerwerk sowie Fenster-, Portalverkleidungen und Stützen an der südwestlichen Vorhalle aus hellem Kalkstein. Dieses hell-dunkle Farbspiel ist ebenso kontrastreich wie der Wechsel von horizontalen Abschlüssen und vertikalen Gliederungen.

    Gesteigert wird die Wirkung durch die Einbindung von Inschriften, Skulpturen und Reliefs. Gemeinsam mit den im Norden und Süden rahmenden Gemeindehäusern bildet das Ensemble eine rhythmische Komposition. Durch die senkrechte Anordnung der Matthäikirche zur Lindemannstraße und den Anbauten entsteht im Norden ein verkehrsgeschützter Platz mit einem Brunnen sowie einer die volle Längsfront der Kirche einnehmenden Terrasse.

     

     

    Innenraum

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Foto: Florian Monheim

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Foto: Florian Monheim

    Nach Betreten des dunklen und niedrigen Foyers präsentiert sich das Kircheninnere auffällig hell, licht und klar. Die Stahlskelettbauweise ermöglicht einen stützenfreien großzügigen Raum von 26 Metern Länge und ca. 15 Metern Höhe. Durch schlanke Fenster im Langhaus und Seitenschiff sowie im Chor verteilt sich das Licht gleichmäßig. Vereinheitlicht wird der Raumeindruck durch die weißgefassten Wände und den gezielten Einsatz von Holz für weite Teile der Ausstattung: Balkendecke, Boden, Mobiliar, Empore. Harmonisch fügt sich die neue dezent farbige Glasgestaltung ein. Im Westen befindet sich auf der Empore die Orgel.

  • Liturgie und Raum
    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Kanzel | Foto: Florian Monheim

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Kanzel | Foto: Florian Monheim

    Die liturgischen Hauptstücke Altar und Kanzel in ein Gleichgewicht zu bringen, war die Kernaufgabe für die unierte Matthäikirche. Monumental inszenierten Wach & Roßkotten diese, indem sie sich von den zentralisierenden Tendenzen des Wiesbadener Programms distanzierten. Statt einer räumlichen und formalen Nähe von Altar und Kanzel wurden die liturgischen Zentren gleichberechtigt nebeneinander ausgerichtet. Konsequent fluchtet daher kein axialer Mittelgang auf den Chorraum, sondern lässt durch die Anordnung der Bankreihen links und rechts Seitengänge entstehen.

    Die Apsis ist durch den blockhaften Altar mit Christusmonogramm, großem schlanken Kreuz und seitlichen schmalen Fenstern repräsentativ inszeniert. Ebenso selbstbewusst erscheint die anschließende, außergewöhnlich monumentale Kanzel vor der holzvertäfelten Wand. Verbunden werden beide Orte zum einen in der Horizontalen, d. h. auf Bodenniveau, durch die weit vorgezogene Podestanlage. Zum anderen blicken in der Vertikalen die vorkragenden Köpfe der vier Evangelisten von der Kanzel zum Altar. Ursprünglich trat das Ensemble durch dunkle Edelhölzer stärker hervor. Mit dem Wiederaufbau wurden schlichtere und hellere Holzarten verwandt.

  • Ausstattung

    Eine Besonderheit der Matthäikirche ist ihr vielfältiger figürlicher und typographischer Schmuck: Er sollte den Aufbau und den Rhythmus der Architektur unterstützen. Exponierte Stellen wie Portale wurden mit Inschriften, Skulpturen und Reliefs versehen. Obwohl durch Kriegsschäden Teile des figürlichen Schmucks verloren gingen, lässt sich der ursprüngliche Entwurfsgedanke bis heute besonders gut an der südwestlichen Seite nachvollziehen: Hier bilden Architektur und Ausstattung – bestehend aus der Figur des Paulus (Erich Kuhn), den Portalreliefs, Bibelzitaten und der markanten überlebensgroßen Bronzefigur des Matthäus (Arno Breker) – ein unvergleichbares Ensemble.

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Fenstergestaltung | Foto: Thomas Richle

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Fenstergestaltung | Foto: Thomas Richle

    Das 1931 als Kriegerehrung – als Halle zum Gedenken an die Toten – geschaffene Foyer, wurde in der Nachkriegszeit zum Mahnmal umgewandelt. Ein Kreuz, eine Bodenplatte und der dunkle Raumeindruck erinnern an diese ursprüngliche Funktion. Im Kirchenraum hat sich der ursprüngliche schlichte, aber monumentale Eindruck durch die rekonstruierte Gruppe aus Kreuz, Altar und Kanzel bis heute erhalten. Bereichert wurde das Innere durch die neue goldgelb-rötliche Glasgestaltung (Thomas Kesseler), die in abstrakter Form die Schöpfungsgeschichte behandelt.

  • Von der Idee zum Bau
    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Baustelle | Foto: Evangelischen Matthäi-Kirchengemeinde Düsseldorf

    Düsseldorf-Düsseltal | Matthäikirche | Baustelle zur Bauzeit | Foto: Evangelischen Matthäi-Kirchengemeinde Düsseldorf

    Auch wenn schon 1910 Pläne für einen Kirchenneubau aufgrund der gewachsenen Gemeinde entstanden, wurden diese erst Ende der 1920er Jahre konkret. 1928 ging aus einem eingeschränkten Architektenwettbewerb das Büro Wach & Roßkotten als Sieger hervor und erhielt den Auftrag für den Kirchenneubau. Am 7. September 1930 erfolgte die Grundsteinlegung und bereits nach zehn Monaten die Einweihung. Stilistisch beeinflusst ist der Sakralbau von Entwürfen aus dem Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie (Fahrenkamp, Holzmeister) sowie der Kölner und Aachener Kunstgewerbeschulen (Böhm, Schwarz).

    Eine Luftmine beschädigte die Kirche 1943 stark. Unter der Leitung von Heinrich Roßkotten wurde sie 1953/54 neuaufgebaut, und bis 1957 entstanden endlich die schon 1928 geplanten anschließenden Pfarr- und Gemeindehäuser im Norden und Süden, 1961 wurde die Matthäikapelle im Untergeschoss eingerichtet. Im Zuge einer umfangreichen Sanierung (2007-11) unter der Leitung des Architekten Thomas Kesseler setzte man u. a. das Stahlskelett und das Mauerwerk instand und eine neue Glasgestaltung ein.

  • Die Architekten Karl Wach und Heinrich Roßkotten

    Der Architekt Karl Wach (* 7. Januar 1878 Höchst am Main, † 21. Juni 1952 Düsseldorf) studierte an der TH Hannover und schloss 1905 sein Diplom-Studium ab. Von Wilhelm Kreis an die Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf geholt, hatte er ab 1918 eine Professur für Architektur an der Düsseldorfer Kunstakademie inne. Während des Dritten Reichs gehörte er zeitweilig dem Umkreis des Generalbaudirektors Albert Speer an.

    Der Architekt Heinrich Roßkotten (*29. Mai 1886 Dortmund, † 5. Juni 1972 Düsseldorf) studierte von 1904-09 an den TH in München und Berlin. Anfänglich war er in der preußischen Staatsbauverwaltung tätig, ab 1913 dann als Regierungsbaumeister im Reichsdienst, ab 1918 als Leiter der Bauabteilung der deutschen Waffen- und Munitionsfabrik sowie von 1920 bis 1923 in der Leitung der Reichsbauverwaltung. Danach wirkte er als Privatarchitekt in Düsseldorf. In der Nachkriegszeit arbeitete der u. a. mit Helmut Hentrich, Edgar Tritthart und Josef Clemens zusammen und war von 1948-52 Vorsitzender der Landesgruppe Nordrhein des BDA.

    Wach & Roßkotten waren von 1928-46 in Düsseldorf assoziiert. Sie galten mit als wichtigste Repräsentanten einer gemäßigten Moderne an Rhein und Ruhr. Neben der Matthäikirche baute das Büro in Düsseldorf u .a. auch das Gemeindehaus der evangelischen Kreuzkirche (1929-30) in Pempelfort, im Hafen für die Firma Weizenmühle Plange Silos (1929-34) sowie das sog. Walzstahlhaus (1938-40) sowie ein Bürogebäude auf der Kasernenstraße.

  • Literatur (Auswahl)
    • Blick. Zeitung der Evangelischen Matthäi Kirchengemeinde Düsseldorf (Aug.-Nov. 2006), insbes. die Beiträge zum 75 jährigen Kirchenjubiläum, 9-16.
    • Lucyna Giesen: Matthäikirche, in: Roland Kanz/Jürgen Wiener (Hg.): Architekturführer Düsseldorf, Berlin 2001, Objektnr. 146.
    • Matthäi. Festschrift 50 Jahre Matthäikirche, hg. von der Evangelischen Matthäi-Kirchengemeinde, Düsseldorf 1981.
    • Iris Metje: Die evangelische Matthäikirche in Düsseldorf in den Fotografien Richard Zieglers, in: Rheinische Heimatpflege 45 (2008), H. 4, 241-251.
    • Iris Metje: Karl Wach und Heinrich Rosskotten. Matthäikirche in Düsseldorf 1930-1931, in: Hans Körner/Jürgen Wiener (Hg.): Frömmigkeit und Moderne. Kirchenbau des 20. Jahrhunderts an Rhein und Ruhr, Essen 2008, 268 f.
    • Neue evangelische Matthäikirche Düsseldorf, in: Der Baumeister 30 (1932), H. 6. 189-194 u. Tafeln 53-58.
    • Sola Fide. In Erinnerung zur Einweihung der neuen Matthäikirche zu Düsseldorf, 12. Juli 1931, Düsseldorf 1931.
    • Karl Wach: Die Matthäikirche in Düsseldorf. Von Professor Karl Wach, Dipl.-Ing und Reg.-Baurat a. D. Rosskotten, Architekten BDA, in: Die Kunst für alle 47 (1931-1932), H. 7, 200-205.
    • Jürgen Wiener: Matthäikirche, in: Georg Dehio. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen, Bd. 1: Rheinland, München/Berlin 2005, 294.
    • Jürgen Wiener: Die Ev. Matthäikirche in Düsseldorf, in: Hans Körner/Jürgen Wiener (Hg.): Liturgie als Bauherr? Moderne Sakralarchitektur und ihre Ausstattung zwischen Funktion und Form, Essen 2010, 41-68.

     

    Wir danken allen Bildgebern für ihre freundliche Unterstützung: Die Bildnachweise werden jeweils am Bild selbst geführt.

Text: Christian Klein, Dr. Jennifer Verhoeven, Wiesbaden (Beitrag online seit 07/2016)

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