Schliersee

Christuskirche

Anschrift Kirche
Leitnerstraße 2
83727 Schliersee
  • Informationen
    Kontakt / Öffnungszeiten Kirche 08026 7332
    E-Mail
    Zur Webseite
    Die Kirche ist in der Regel tagsüber geöffnet.
    Anschrift Pfarramt Evang.-Luth. Pfarramt Neuhaus
    Josefstalerstraße 6a
    83727 Schliersee
    08026 7332
    E-Mail
    Zur Webseite
    Öffnungszeiten Pfarramt DI, MI, FR: 9.00 - 12.00 Uhr
    Gottesdienstzeiten Kirche

    Gottesdienste nur in den Sommermonaten, da der Kirchenraum nicht beheizbar ist; ausgenommen: Hl. Abend, Karfreitag und Ostersonntag.

    Aktuelle Gottesdienstzeiten unter www.e-kirche.de/neuhaus-schliersee.


    Kirchen im Süden

Klar, einfach, übersichtlich

Vor alpiner Landschaft erhebt sich die 1953/54 erbaute Christuskirche in Schliersee, die in ihren Formen und Umrisslinien die Berge der Umgebung aufzugreifen scheint. Das schlichte, weiß verputzte Gebäude wird von einem asymmetrischen Zeltdach mit Kanten, Knicken und Sprüngen bekrönt. Die starke architektonische Dynamisierung des Außenbaus findet sich im Innenraum wieder. Durch klare räumliche Bewegungsimpulse wird im Inneren wie im Äußeren alles auf das liturgische Zentrum hin konzentriert. Der Architekt der Kirche, Olaf Andreas Gulbransson, äußerte in seinen “Gedanken zum Kirchenbau” hierzu: “Es ist der Drang nach Klarheit, Einfachheit, Übersichtlichkeit, das Streben, die äußere Gestalt mit dem Inhalt in Deckung zu bringen.”

  • Überblick
    Ort
    Schliersee

    Landeskirche
    Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern 


    Name der Kirche
    Christuskirche

    Einweihung
    1954

    Architekt
    Olaf Andreas Gulbransson
    Besonderheit
    Gulbranssons Grundidee vom Kirchenbau wird bereits an dieser ersten Kirche beispielhaft deutlich: Mit dem Konzept eines gerichteten, dezentralen Zentralbaus gelingt es ihm, ein architektonisch wie liturgisch austariertes Gebäude zu schaffen, dessen Markenzeichen die diagonalen Raumachsen sind, die er in der Grundrissgeometrie bereits verankert und später in der Raumorganisation erneut aufgreift.

    Nutzung
    Ortskirche innerhalb der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Neuhaus (am Schliersee)

    Standort / Städtebau
    Hanggrundstück in alpiner Landschaft inmitten der Marktgemeinde Schliersee (Landkreis: Miesbach, Oberbayern)

  • Beschreibung

    Grundriss


    Schliersee | Christuskirche

    Der Grundriss des Kirchenraums zeigt ein gleichseitiges Sechseck, das an der Südwestseite durch ein flaches Polygon zu einem unregelmäßigen Achteck erweitert wird. Die geometrische Mitte wird somit aus der eigentlichen Raummitte nach Südwesten verschoben. An dieser Stelle treffen die Raumdiagonalen dezentral über dem kreisförmigen Altarbereich zusammen.

    Im Norden schließt sich spitzwinklig die Vorhalle an eine Seite des Achtecks an, der Haupteingang für die Kirchenbesucher. Südöstlich wird ein winkelförmiger Flügel mit Sakristei und Nebeneingang über zwei Seiten des Achtecks gelegt.


    Außenbau


    Schliersee | Christuskirche | Foto: © Architekturmuseum der TU München, Gabriele Winter

    Der Baukörper steht auf einem Hanggrundstück und besitzt zwei Geschosse. Talseitig befindet sich im Untergeschoss der Gemeindesaal, der über einen gesonderten Eingang verfügt und durch ein Band mit rechtwinkligen Fenstern beleuchtet wird. Der eigentliche Kirchenraum weist fast vollständig geschlossene, weiß verputzte Außenwände mit vereinzelt gesetzten ornamentalen Glasbausteinfenstern auf.

    Darüber erstreckt sich zeltartig das mehrfach geknickte, dunkle Blechdach. Die unterschiedlich großen Dachflächen laufen dezentral, am höchsten Punkt des Baukörpers in einer gläsernen Spitze zusammen. Zwei markante Strebepfeiler, die den Dachschub aufnehmen, ersetzen den klassischen Kirchturm und werden in Anlehnung an die traditionelle Bauweise von einer Zwiebelkuppe bekrönt.


    Innenraum


    Schliersee | Christuskirche | Foto: © Architekturmuseum der TU München, Gabriele Winter

    Über eine große Freitreppe gelangt der Besucher zur Vorhalle und in den Innenraum. Der Grundriss spiegelt sich in der asymmetrischen, von acht sichtbaren Holzbindern getragenen Deckenkonstruktion wieder. Am höchsten Punkt befindet sich die einzige natürliche Lichtquelle des Raumes, direkt über dem liturgischen Zentrum mit dem runden, zweistufigen Sockel des Altars.

    Zu einer weiteren räumlichen Dynamisierung trägt der deutliche Höhenanstieg der niedrigen Wände im hinteren Bereich hin zur monumentalen Altarwand bei. Links neben dieser befinden sich die Orgelempore sowie der Zugang zur Sakristei, die nach Bedarf zum Kirchenraum hinzugenommen werden kann.


  • Liturgie und Raum

    „Auch die Kirche ist in bestimmter Hinsicht ein funktionaler Bau“, so der Architekt Gulbransson, „Auch sie muß ihre Funktion gewissenhaft erfüllen: Schale, Gehäuse zu sein für den Gottesdienst; die Gemeinde in die rechte Ordnung zum Altar, zur Kanzel und zum Taufstein zu bringen, zur Predigt und zum Abendmahl (…).“

    Schliersee | Christuskirche | Foto: © Architekturmuseum der TU München, Inger Gulbransson

    Diese Vorstellung einer dienenden, die Liturgie ins Zentrum rückenden Architektur setzt der Architekt bereits in seinem ersten Kirchenbau um. Der Raum wird durch zwei diagonal auf den Altar hin orientierte Gänge erschlossen. Sie teilen das Gestühl in drei Blöcke, die radial auf die Prinzipalstücke ausgerichtet sind. Am Schnittpunkt der Gänge, wo alle Raumdiagonalen zusammentreffen, steht über einem runden, zweistufigen Sockel der Altar. Zugleich befindet sich hier der höchste Punkt des Raumes mit der zentralen Lichtquelle, die in ihrer Öffnung dem Grundriss entspricht.

    Alle Raumelemente sind somit auf das liturgische Zentrum hin fokussiert, um das die Gemeinde sich versammelt. Links vom Altar steht der kelchförmige Taufstein, rechts ein freistehender Ambo, die durch das Ziegelmuster des Fußbodens mit dem Altar verbunden werden. Mit dieser Raumkonzeption gelingt es Gulbransson, alles in einem einheitlichen Raum so unterzubringen, dass keine Funktion dominiert.

  • Ausstattung

    Nicht zuletzt der Notsituation der Nachkriegsjahre geschuldet ist die Christuskirche insgesamt sehr schlicht ausgestattet. Alle Ausstattungsstücke wurden vom Architekten selbst entworfen und gezeichnet, seien es die Prinzipalstücke, wie der aus grünem Basalt gefertigte Altar, der kelchförmige Taufstein und der freistehende Ambo, oder kleine Details, wie etwa die kreuzförmigen Leuchten an den Außenwänden. Lediglich die Paramente stammen von dessen Frau, Inger Gulbransson-Jansen (geb. 1911).

    Schliersee | Christuskirche | Foto: © Architekturmuseum der TU München, Inger Gulbransson

    Zentrales künstlerisches Element ist der raumbeherrschende, überlebensgroße Kruzifixus – auch dieser von Gulbransson entworfen und von ihm selbst aus Messing und Kupferblech geformt (ursprünglich als Provisorium gedacht). Der an Zugstäben über dem Altar positionierte Christus am Kreuz wird von einem Stahlreif umfasst, welcher mit dem Altar und dem Oberlicht korrespondiert. Er bildet das Zentrum des Raumes und verbindet zugleich Grundriss und Aufriss. Nicht zuletzt ist der Gekreuzigte, dessen Hände segnend wie einladend aus dem Stahlreif herausreichen und um welchen die Gemeinde zusammenkommt, die entscheidende theologische Aussage des Raumes.

  • Von der Idee zum Bau

    Das kulturelle und gesellschaftliche Leben im bayrischen Schliersee ist stark von der katholischen Tradition geprägt. Erst 1923 gründete sich die „Vereinigung der Evangelischen in Schliersee und Umgebung“; Gottesdienste wurden damals im Rathaussaal abgehalten.

    Schliersee | Christuskirche | Foto: © Architekturmuseum der TU München, Olaf Andreas Gulbransson

    1926 wurde der „Evangelische Kirchenbauverein Schliersee“ ins Leben gerufen, der das heutige Grundstück an der Leitnerstraße erwarb. Erste Planungen des Münchner Architekten Fritz Norkauer konnten in Folge des Kriegsausbruchs nicht ausgeführt werden. Im Sommer 1952 fand ein ergebnisloser Kirchenbauwettbewerb statt. Daraufhin wurde ein Kirchenbauausschuss gegründet und ein beschränkter Wettbewerb ausgerichtet mit den Architekten Otto Grimm, Bruno Biehler und Olaf Andreas Gulbransson. Letzterer erzielte am 4.2.1953 den ersten Platz.

    Baubeginn war am 8.9.1953, die Grundsteinlegung erfolgte am 18.10.1953. Der Rohbau konnte bis Ende des Jahres fertiggestellt werden. Am 20.6.1954 wurde die Kirche eingeweiht. In den Jahren 1970, 1986, 1990/92 und 2011 fanden Renovierungsmaßnahmen statt, doch entspricht das heutige Erscheinungsbild weitestgehend dem ursprünglichen Bau. Seit 2002 steht die Christuskirche auf der Bayrischen Denkmalliste.

  • Der Architekt Olaf Andreas Gulbransson

    Die Christuskirche ist der erste Kirchenbau des Architekten Olaf Andreas Gulbransson (1916-61) und bildet den eigentlichen Auftakt seiner nur knapp 10-jährigen architektonischen Tätigkeit, die 1961 aufgrund eines Autounfalls ein abruptes Ende fand.

    Gulbranssons Oeuvre ist auffallend homogen: seine Kirchenbauten fügen sich über einfachen Grundrissgeometrien im Aufriss zu unerwarteten und überraschenden Baukörpern. Bewegte Dachformen, Faltungen und Knickungen schaffen anspruchsvolle und dynamische Innenräume. Der Architekt bekannte sich zu einer einfachen und übersichtlichen Formensprache. Charakteristisch für seine Kirchenbauten sind zudem die diagonalen Raumachsen, die Ausdruck seines liturgischen und architektonischen Raumverständnisses sind.

  • Literatur (Auswahl)

    • Antina Gaenssler: Die Moderne in Bayern 1920-1960. Architektonische Konzepte und Details. Olaf Andreas Gulbransson 1916-1961, in: Detail 31 (1991) 343-350.
    • Peter Porschasky: Kirchen von Olaf Andreas Gulbransson, München 1966.
    • Robert Stalla (Hrsg.): Olaf Andreas Gulbransson (1916-1961). Kirchenbauten in Bayern, München/Berlin 2007.
    • Robert Stalla: Architektur und Liturgie. Kirchenbauten von Olaf Andreas Gulbransson (1916-1961), in: Hans Körner/Jürgen Wiener (Hrsg.), „Liturgie als Bauherr“? Moderne Sakralarchitektur und ihre Ausstattung zwischen Funktion und Form, Essen 2010, 191-200.
    • Walter Stock: Evangelische Christen und evangelische Kirche in Schliersee, in: Anton Dillinger, Schliersee 779-1979. Eine Chronik zum Jubiläum, Hausham 1978, S. 180-197.

Text: Zara Tiefert-Reckermann, Waldshut-Tiengen

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